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Kmb.dsp.at

Magazin für Männer – Katholische Männerbewegung Ausgabe 1 Februar 2014
Kirche. Gehorsam geht
nie ohne Gewissen 8
Fasching. Wie lustig darf
der Glauben sein? 10
Direkte Demokratie.
Über alles abstimmen? 21
Mosambik.
ABC unter Bäumen 13–15
Ausgabe 1 Februar 2014 1
3 Kirche und Geld. Ein Reizthema
21 Direkte Demokratie. Über alles
4 Gott bewegt
13 Bildung. Viermal pro Woche
5 Wo drückt der Schuh? (2).
6 X an Ypsilon
wird in Mosambik der Das Zukunftsforum der Schatten baum in Zinguire für Katholischen Aktion: 27 Bewegung
drei Stunden zur Schulklasse. „Vergiss die Armen nicht". 23 Wohlbefinden. Entdecken,
Erwachsene lernen dort Lesen, 6 Thema Entwicklung.
was mir guttut.
Schreiben und Rechnen.
Zum Glauben braucht es 25 Tipps. Leicht gesagt, schwer
16 Straßenkinder. Pater Gabriel
getan! Empfehlungen für einen Mejía ermöglicht Kindern in 8 Kirche. Gehorsam geht nie
Weg der kleinen Schritte.
30 Termine
Kolumbien ein Leben ohne 26 Vorsorge. Müssen Männer
32 Ausblick
Gewalt und Drogen. 10 Fasching. Wie lustig darf
18 Fairer Nikolaus. Mit guten
der Glauben sein? Wünschen unterwegs. Lieber Leser,
liebe Leserin,
der „Aufruf zum Ungehorsam" hat
es nahe, passend zur Faschingszeit im Sommer vor zwei Jahren viel ihn gemeinsam mit dem katho- Aufregung verursacht. Die Themen lischen Religionspädagogen Martin der Pfarrerinitiative sind inzwischen Jäggle zu befragen: „Wie lustig darf in die allgemeine kirchliche Reform- der Glauben sein?" Es wurde ein diskussion eingeflossen. Wir wollten durchaus ernstes Gespräch. Freude den Begriff „Gehorsam" besser ver- am Glauben, das kennen wir, aber stehen und haben dazu zwei Profis lustig? Pfarrer Etzlstorfer aus Kats- Sa., 17. Mai, St. Radegund OÖ zum Gespräch gebeten: „Gehorsam" dorf (Diözese Linz) hat für diesen ist eines der Gelübde, das Ordensleu- Schwerpunkt etwas aus seiner weit te ablegen. Generaloberin Michaela Pfeiffer (Linz) und Abt Reinhold Aktivitäten in den Pfarren Dessl (Wilhering) haben unerwartete Der Platz für mein kurzes Grußwort Mi., 9. bis Sa., 12. Juli, Melk Antworten gegeben. Einer schafft an, ist schon zu Ende, sonst würde ich der Andere führt es ohne nachzu- Ihnen noch viel über die anderen Eröffnungsvortrag denken aus, so ist es nicht einmal im anregenden Themen und Autoren Bundesheer, schon gar nicht bei den in diesem Heft erzählen: Abtpräses Trends in Gesellschaft und Kirche religiösen Gemeinschaften. Lesen Sie Christian Haidinger und SN Innen- Univ.-Prof. Dr. Hans-Joachim das Gespräch ab Seite 8.
politik-Redakteur Alexander Purger. Sander (Salzburg) Oberrabbiner Chaim Eisenberg ist So bleibt mir nur, Sie einzuladen: Fr., 21. November, Fernitz bei Graz bekannt dafür, dass er tiefsinnige Lesen Sie selbst! Wahrheiten mit viel Humor und an Sr. Veronica Petri Selbstironie kommuniziert. Da liegt Ihr Markus Himmelbauer (Diözese Morogoro, Tansania) Ausgabe 1 Februar 2014 2
lieber Freund,
liebe Freundin der
Adolf Stüger.
es entwickelt sich etwas in der der KMB der Diözese Innsbruck Weltkirche: Papst Franziskus scheut sich nicht, auch zu „weniger lustigen Themen" rasch und deutlich Stellung zu nehmen. Er ist medial präsent und spricht in seiner Art viele an. Es braucht unser Gebet für diesen Weg und für ihn persönlich! Kirche und Geld. Das Th ema reizt ähnlich
Österreich hat diese neue Dynamik stark wie „Kirche und Sex" und wird nicht nur noch nicht ganz erreicht.
in der Sauregurkenzeit gern aufgegriff en. Wir heißen Franz Lackner als neuen Erzbischof von Salzburg herzlich willkommen! Unsere steirischen Durch Papst Franziskus, dessen Leistungen für die Allgemeinheit Glaubensschwestern und Brüder Name Programm ist, bekommt erbringen – wie etwa im Gesund- stehen etwas verdutzt da, sie haben „Armut" als Anspruch an und heits- und Bildungsbereich –, nicht einmal einen Dreiervorschlag, Maßstab für Christinnen und dann kommt das für die öff entli- aus dem sie „wählen" könnten. Ist es Christen und die Kirche eine neue che Hand allemal günstiger.
denn undenkbar, dass eine Diözese sich ihren Vorsteher selbst auswählt Das sogenannte „Kirchenprivilegi- Nachhaltig ohne Schulden (oder wenigstens dabei mitbestimmt) en-Volksbegehren" – ein Flop mit Das eigentliche Ärgernis beim und natürlich auch Verantwortung für nur 56.660 Unterschriften  – war Th ema „Kirche und Geld" könnte letztlich eine Chance, die vielfäl- darin bestehen, dass die Kirche tigen Leistungen der Kirchen und grundsätzlich nicht mehr ausgibt, Religionen für die Al gemeinheit zu als sie einnimmt. Dazu kommt, Die Diözese Innsbruck feiert 2014 thematisieren. Dabei wurde deut- dass das anvertraute Vermögen ihr fünfzigjähriges Bestehen. Bischof lich, dass die Kernbereiche des meist zweckgebunden für Seel- Manfred Scheuer sieht dieses Jahr als kirchlichen Lebens von den Gläu- sorge und Soziales gestiftet wur- ein „Jahr des Aufbruchs". Er schreibt bigen selbst fi nanziert werden. de (davon leitet sich ja auch das in seinem Hirtenwort „Stift" ab). Es wird treuhänderisch (www.aufbrechen2014.at) dazu: „Ein Den Vergleich nicht scheuen verwaltet, damit nachkommende ehrlicher Blick auf die Vergangenheit Rund 400 Millionen Euro erbringt Generationen genauso davon pro- und die Dankbarkeit für Gottes Segen der Kirchenbeitrag jährlich. Das fi tieren. Das ist eine Provokation sollen uns in diesem Jahr begleiten. sind fast 80 Prozent des Gesamt- angesichts der Tatsache, dass wir Wir wollen in diesem Gedenkjahr von budgets der Diözesen in Öster- uns durch eine öff entliche Schul- der Vergangenheit lernen, um mutig reich, das in den letzten Jahren bei denpolitik anscheinend daran in der Gegenwart zu leben und den ca. 500 Millionen Euro lag. Damit gewöhnt haben, auf Kosten jün- Blick mit Hoffnung auf die Zukunft werden nicht nur die Seelsorge in gerer Generationen zu leben. So über 3.000 Pfarren, sondern auch gesehen ist die Debatte um Kirche Das Jahresthema „Entwicklung" vielfältige Leistungen im Sozial-, und Geld ziemlich reizend … unserer KMB geht in eine ähnliche Bildungs- und Kulturbereich ge- PS: Die Frage nach einer am Richtung. Wir blicken auf unsere tragen. Zum Vergleich: Allein die Evangelium ausgerichteten   Ar- Wurzeln: Wo stehen wir heute? Das Stadt Salzburg verfügt über ein mut bleibt ein Dauerauftrag für können wir durchaus mit Selbstbe- Jahresbudget von 445 Millionen jeden ernsthaften Christen und wusstsein tun! Und wir werfen einen Euro, und das Marketing zur Ein- für die Kirche, nicht nur aufgrund angstfreien Blick in die Zukunft. führung des aktuellen Smartpho- des aktuellen Papst-Schreibens Natürlich kann man „Entwicklung" nes „Moto X" von Google kommt „Evangelii Gaudium". nicht einfach verordnen, sie muss bei auf kolportierte 500 Millionen Paul Wuthe. Der Autor ist Presse- und
uns, bei jedem Einzelnen von uns, in Euro. Hier braucht die Kirche Medienverantwortlicher der Bischofskonferenz unserer Gruppe, in unserer Pfarre wohl keinen Vergleich zu scheu- und Chefredakteur der „Kathpress". beginnen. Gute Organisation und Be- en. Wenn kirchliche Institutionen harrlichkeit – auch im Gebet – werden mit staatlicher Unterstützung uns immer weiterhelfen! Paulus (4)
Ernest Theußl.
Religionsprofessor Lasst uns also das Fest i. R. und Obmann der KMB Steiermark feiern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit. (1 Kor 5,8) Ende November des Vorjahres stand ich in Kopenhagen am Grab von Søren Kierkegaard, jenem Philosophen, der Angst haben vor Gott? heute als Vordenker der Existenz-philosophie gesehen wird. Søren Kierkegaard focht einen unerbittlichen Gottesfurcht. Unüberhörbar ist in der Heiligen
Kampf aus mit seiner protestantischen Schrift von der „Furcht Gottes" die Rede. Und aus der Amtskirche, deren eingefahrene Geschichte der Religionen wissen wir: Die Wirklichkeit Rituale in seinen Augen jede Kraft Gottes bewirkt immer beides: Faszination und Zittern.
verloren hatten. Vor Gott, so postu-lierte er, stehst du letztlich allein Ich möchte mit dem Ergebnis Gott hat ihren Ursprung auch da, und niemand kann dir da etwas meiner Überlegungen beginnen: auf Seiten des Menschen. Denn abnehmen. Du kannst dich auf nie- Im Rückblick auf alles, was durch als Menschen wissen wir um die manden berufen, du bist ein Einzelner! Jesus geschehen ist, heißt es im Brüche, das Böse und die Schuld Ersten Johannes-Brief: „Gott ist in unserem Leben. So stellt sich Aufrichtigkeit und Wahrheit die Liebe … Darin ist unter uns die die Frage: Können wir uns vor So oder ähnlich muss sich auch Paulus Liebe vollendet, dass wir am Tag Gott verantworten? gefühlt haben, nachdem er durch eine des Gerichts Zuversicht haben … persönliche Christusvision das Leben Furcht gibt es in der Liebe nicht, Vollkommene Liebe „in Fülle" entdeckt hatte. So kann er sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht den Gläubigen von Korinth, die sich vertreibt die Furcht." (4,16–18) Ein In der Perspektive unseres Glau- gerade auf Pessach vorbereiten und kühnes Wort. Es befreit. Aber es bens ist zuerst die erlösende Ge- mit der Reinigung ihrer Häuser von macht die Sache auch nicht billig. wissheit zu nennen: Jesus, der allem Gesäuerten beschäftigt sind, Es formuliert eine Einsicht, die Sohn und das Abbild Gottes, eine neue Sicht ans Herz legen: „Lasst wir uns nicht selbst ausdenken hat die entscheidende Klarheit uns also das Fest nicht mit dem alten können. Sie ist uns von Gott ge- gebracht. Der Apostel Paulus Sauerteig feiern, dem Sauerteig der schenkt. Jesus hat uns durch sein hat diese Wahrheit so zusam- Bosheit und Schlechtigkeit, sondern ganzes Wirken gezeigt, wie Gott mengefasst: Nichts kann „uns mit den ungesäuerten Broten der Auf- ist: Er heilt und vergibt, stiftet scheiden von der Liebe Gottes, richtigkeit und Wahrheit." (1 Kor, 5,8) Gemeinschaft, stellt sich auf die die in Christus Jesus ist, un- Wie sehr lechzt unsere Welt heute Seite der Schwachen, lässt sich serem Herrn." (Röm 8,39) Das gilt. nach diesen Werten: Aufrichtigkeit auf die Sünder ein und gibt sein Darin ist alles aufgehoben – auch und Wahrheit! Den Mitmenschen Leben für alle. unsere Unsicherheit und Angst. begegnen können, ohne Hinterge- Und ein Zweites ist wichtig: danken, ohne Angst, hintergangen zu Faszination und Zittern sich Gott und seiner Liebe zu werden, ohne Gefahr, der Gefoppte zu Die Wirklichkeit Gottes bewirkt öffnen, heute und hier. Die Lie- sein. Christsein ist kein Programm für immer beides: Faszination und be in menschlichen, oft kleinen Außerirdische und Übersinnliche, es Zittern. Gott ist – Gott. Er ist Schritten in die Tat umzusetzen. ist ein Programm für das Alltägliche nicht Teil dieser Welt, sondern Denn wie hat es am Anfang ge- und Selbstverständliche. Wie oft höre ihr Schöpfer. Aus menschlicher heißen? Die „vollkommene Liebe ich in Gesprächen, wenn alle die Ge- Perspektive ist Gott ein abgrün- vertreibt die Furcht "– also jene bote einhalten würden, wir hätten das diges, undurchschaubares Ge- Liebe, die Gott ist und von Gott Paradies auf Erden. Ja, aber man kann heimnis, ein souveräner Gott, kommt, auch dann, wenn in un- noch einen Schritt zurück machen: Wir den man nicht in den Griff serem Leben die Liebe immer bräuchten keine Gebote, wenn alle in bekommt. Und auf das Unbe- Bruchstück bleibt. Aufrichtigkeit und Wahrheit miteinan- stimmte und Abgründige reagie- Bernhard Körner. Der Autor ist Professor
der umgingen.
ren wir immer mit Unsicherheit für Dogmatik an der Theologischen Fakultät und Angst. Aber die Angst vor der Universität Graz.
yAusgabe 1 Februar 2014 4
„Vergiss die Armen nicht" Wo drückt der Schuh? (2) Bis 2015 sollen die von den Vereinten Nationen
formulierten Millenniumsziele umgesetzt werden. Demnach sollen dann halb so viele Menschen weniger als eineinhalb US-Dollar pro Tag zum Leben haben, als es noch 1990 der Fall war. Doch davon ist die Welt noch weit entfernt.
Sogar in unserem sehr wohlha- an den Folgen von Mangel- und Agrarpolitik. Ebenso von Bedeu- benden Land ist die Zahl jener Unterernährung – eines alle vier tung ist eine hinreichende Fi- Menschen, die unter der Armuts- Sekunden! nanzierung der Entwicklungszu- grenze leben, gestiegen. Nach sammenarbeit. Derzeit stellt die einer Studie sind eine Million Profit durch Spekulation österreichische Bundesregierung Menschen in Österreich armuts- mit Lebensmitteln lediglich 0,27 Prozent des Brutto- gefährdet. Besonders alleiner- Armut und Hunger sind aller- inlandsprodukts für Entwicklungs- ziehende Mütter fallen in diese dings nicht Schicksal, wie zahl- zusammenarbeit zur Verfügung. Gruppe. 325.000 Menschen gelten reiche Nichtregierungsorganisa- Dieser Wert liegt weit unter den als „materiell Deprivierte", d. h. sie tionen betonen, sondern werden versprochenen und international sind nicht in der Lage, ihre Grund- zu einem wesentlichen Teil von vereinbarten 0,7 Prozent. bedürfnisse regelmäßig zu decken sozialen und gesellschaftlichen Michael Link
oder ihre Wohnung zu heizen.
Faktoren beeinflusst. Drastisch drückt es Jean Ziegler, Soziologe Alle vier Sekunden und ehemaliger UN-Sonderbe- Wenn Menschen nicht einmal in richterstatter für das Recht auf der Lage sind, regelmäßig ihre Nahrung, aus: „Hunger ist ein Kinder zu ernähren, dann ist dies organisiertes Verbrechen." Denn nicht nur die extremste Form von Nahrungsmittelspekulanten und Armut, sondern global betrachtet die transnationalen Konzerne Mitmachen auch eine hochaktuelle. Weltweit machten auf Kosten der hunger- Das Zukunftsforum der Katho- leiden nach Angaben des Ernäh- leidenden Bevölkerung große lischen Aktion Österreich ist ein rungsprogramms der Vereinten Profite. Innerhalb eines Jahres sei offener Prozess. Jeder und jede Nationen (WFP) rund 870 Milli- der Weltmarktpreis für Mais um ist eingeladen, zu den einzelnen onen Menschen an Hunger. Jedes 63 Prozent gestiegen, für Reis um Themen Stellung zu beziehen: Jahr sterben 7,6 Millionen Kinder 31,8 Prozent, und der Preis für die Beziehung, Ehe und Familie; Tonne Weizen habe sich verdop- Bildung und Arbeit; Zusammenle- pelt. Irmi Salzer von der Bergbau- ben in der Gesellschaft; gerechte ernvereinigung ÖBV–Via Cam- und ökologische Nutzung der pesina Austria betont zudem das Ressourcen sowie weltweites „Recht aller Menschen auf gutes Zusammenleben in Frieden. und kulturell angepasstes Essen, Ypsilon bringt in seiner Serie das mittels nachhaltiger Produk- einen grundlegenden Aufriss der tionsmethoden hergestellt wurde".
Zur Reduzierung von Armut und Hunger weltweit braucht es eine Kontrolle der Finanzwirtschaft, Ergebnisse der Online-Umfrage
aber auch Nahrungsmittelsicher- heit mittels einer nachhaltigen Ausgabe 1 Februar 2014 5
Entwicklung
„Seien Sie achtsam!"
Vor einiger Zeit wurden die Ansagen Richterin i. R., Graz in der Wiener U-Bahn geändert. Nun mahnt eine freundliche Frauenstim- me: „Seien Sie achtsam, zwischen U-Bahn-Türe und Bahnsteig ist ein Spalt." Als ich die Ansage zum ersten Mal gehört habe, hat es mich geris- sen. Warum? Weil „achtsam" etwas Glauben leben.
anderes ausdrückt und mehr sagt, als Es kann ein weiter Weg sein, vom das bloße „Passen Sie bitte auf".
Glauben der Kindheit zur persönlichen Glaubens- Wer achtsam ist, passt nicht nur auf entscheidung. Der Weg lohnt sich. Wir brauchen sich selber auf. Er begegnet seiner Männer, die in Wort und Tat Zeugnis geben von ihrem Umgebung auch nicht bloß mit Auf- Glauben und ihrem Beheimatetsein in der Kirche.
merksamkeit. Er beachtet sie, und indem er sie beachtet, achtet er sie auch. Achtung aber ist ein Grund- Meine Generation, die Nachkriegs- Eltern – sofern sie noch gegeben erfordernis für ein gedeihliches generation und auch noch manche ist – wird kritisch gemessen, wenn Zusammenleben. Denn nur wer Jüngere, sind noch in einem weit- nicht belächelt. Mit Eugen Biser geachtet, wer als Mensch respektiert gehend kirchlichen Umfeld aufge- möchte ich als erste These formu- wird, wessen Würde nicht in Zweifel wachsen. Doch es geht nun nicht lieren: „Zum Glauben wird man gezogen wird, von dem kann auch um einen nostalgischen Lobge- nicht erzogen, sondern bewogen!" erwartet werden, dass er oder sie sang auf frühere angeblich bessere anderen Achtung entgegenbringt.
Zeiten. Es geht um die religiöse Männer unter sich Entwicklung von Männern – hier Am Beginn meiner seelsorglichen Ein Mittel gegen Vorurteile und heute, im noch jungen 3. Jahr- Tätigkeit Anfang der 70er-Jahre gab Es ist daher ein guter Vorsatz für tausend – nach vielen soziolo- es selbstverständlich viele geistli- das noch ziemlich neue Jahr, acht- gischen Veränderungen, 50 Jahre che Angebote getrennt für Frauen sam zu sein. Achtsamkeit meinen nach dem 2. Vatikanischen Konzil, und Männer. Dann trafen wir die Mitmenschen gegenüber beginnt in einer Zeit rasanter Säkularisie- großartige, manche meinten gar damit, dass ich sie als Mitmenschen rung und gewaltiger Umbrüche in „revolutionäre" – heute sagen wir wahrnehme. Ein zweiter Schritt ist die selbstverständliche – Entschei- der Versuch, mich in sie hineinzuver- dung, Cursillos für Frauen und setzen und einmal die Welt mit ihren Authentisch vorleben Männer gemeinsam anzubieten. Der gelebte Glaube der Eltern hat Von Anfang an waren Frauen im- Das ist ein äußerst wirksames Mittel uns früher geprägt und mitge- mer deutlich in der Überzahl. Es gegen Vorurteile und Voreingenom- formt, auch wenn praktisch nie war für sie wesentlich leichter, un- menheit. Und ohne Vorurteile und über den Glauben, öfter schon ter ihresgleichen sich zu öffnen; die Voreingenommenheit ließen sich über die Kirche, gesprochen Männer wurden verschlossener, nicht nur viele Probleme lösen, viele wurde. Im Laufe des Lebens wur- kaum mehr beteiligten sie sich im entstünden erst gar nicht. Das gilt de mir immer klarer, dass das Austausch zu persönlichen Glau- vor allem auch für das Miteinander Hinnehmen und Annehmen die- benserfahrungen. Die Dynamik von Frauen und Männern. Achtsam- ser Lebens- und Glaubenspraxis und Erfahrung des gemeinsamen keit bewahrt davor, in Geschlech- nicht aus lahmer Kritiklosigkeit Betens und Feierns von Männern terrollen stecken zu bleiben und kam, sondern weil Glaube, Arbeit untereinander ging weitgehend Gewohntes als allein Gültiges zu und Leben von den Eltern authen- verloren! Daher die zweite These, sehen. Wer achtsam ist, schärft tisch (vor)gelebt wurden.
die ich vertreten möchte: „Für die seinen Blick. Und wer dadurch mehr Diese ungetrübte Erfahrung ge- religiöse Entwicklung von Män- wahrnimmt, weitet seinen Hori- lebten Glaubens in der Familie ist nern braucht es Möglichkeiten, wo zont. Versuchen wir es, Männer wie aber heute kaum noch möglich Männer unter sich den Austausch Frauen, den anderen und die andere und vermittelbar! Kinder und junge pflegen können." nicht nur als Mann oder Frau, son- Menschen leben in einem weitge- dern vor allem als Mitmenschen hend a-religiösen Umfeld, kirch- Ein Teil des Alltags wahrzunehmen und damit auch liche Sozialisation ist kaum mehr Ich wage eine dritte These: „Für gegeben, die religiöse Praxis der die religiöse Entwicklung von Ausgabe 1 Februar 2014 6
In Ruhe zu sich selber kommen und Gott danken für Männern ist es wichtig, dass nicht nur beim Sonntagsgottes- sammenfassen: „So spricht der Herr das, was er heute Glaube und Alltag, Glaubenspra- dienst, sondern auch in privaten der Heere: In jenen Tagen werden zehn geschenkt hat. Wie xis und Beruf, Glaube und Frei- und persönlichen Begegnungen, Männer aus Völkern aller Sprachen kann meine Form zeit nicht auseinanderklaffen." vor allem auch im Freundeskreis! einen Mann aus Juda an seinem Ge- Ein junger, aufstrebender Unter- wand fassen, ihn festhalten und sagen: nehmer schaffte es, unter groß- Gemeinschaft mit Wir wollen mit euch gehen; denn wir em persönlichem Einsatz seinen Gleichgesinnten haben gehört: Gott ist mit euch!" Kleinbetrieb zu einem erfolg- Zehn Jahre war ich Pfarrer in Ober- Wieder war es bei einem Männer- reichen Mittelbetrieb aufzubau- österreich. Pfarrer zu werden war Cursillo. In der Kennenlernrunde en. Bald spürte er: Die tägliche mein Kindertraum, aber mit 52 fragte ich einen Teilnehmer: „Und persönliche Gottesbegegnung J ahren rechnete ich nicht mehr da- wer hat dich zu diesem Kurs ge- kam zu kurz. „Wie kann ich dem mit. Es gab dort selbstverständlich schickt?" Seine Antwort: „Mich gegensteuern?", fragte er besorgt. eine kfb-Gruppe. Eines Tages spra- musste niemand schicken. Da Mein Vorschlag: „Es wird wohl chen zwei Männer – Mitte 30 – bei gibt es in unserer Pfarre einige nicht viel ausmachen, wenn du mir vor: Warum gibt es bei uns ei- Männer – der Bürgermeister, der am Abend noch einmal fünfzehn gentlich keine Männerbewegung? Fleischermeister und der Bäcker- Minuten später heimkommst. Mit Unterstützung aus einer Nach- meister – alle drei sind Lektoren Bleib noch in deinem Büro, zün- barpfarre gelang es tatsächlich, und Kommunionspender. Wenn de eine Kerze an, denke dankbar eine neue Männerrunde mit auch die ihren Dienst versehen beim an den zu Ende gehenden Tag jüngeren Teilnehmern ins Leben Sonntagsgottesdienst, dann ist zurück; lege schwierige Situati- zu rufen. Heute sehe ich von au- etwas zu spüren, was ich sonst onen vertrauensvoll in die Hand ßen betrachtet und durch Kontakt nicht empfinde. Einmal hatte ich Gottes – und freu dich auf die Be- mit einzelnen Mitgliedern, welcher den Mut, einen zu fragen. Seine gegnung mit deiner Frau und den Segen von dieser Gruppe für die Antwort war überzeugend. Da- Kindern … Gewiss münden diese Pfarre, aber auch für die Einzelnen rum bin ich da." Dazu zum Ab- Minuten der Stille auch in ein ausgeht.
schluss noch eine fünfte kurze einfaches persönliches Gebet." Daher möchte ich als weitere These: „Worte bewegen, Beispiele Das ist kein Rezept, aber gelebte These formulieren: „Um Glauben reißen mit!" männliche Spiritualität, gelebter zu lernen und religiöse Vertiefung Es kann ein weiter Weg sein vom Glaube im Alltag! zu erfahren, brauchen Männer das Glauben der Kindheit zur persön- Über viele Jahre hatten wir eine Beispiel und die Gemeinschaft lichen Glaubensentscheidung. Der mehr oder weniger regelmäßige von Gleichgesinnten! Die pfarr- Weg lohnt sich, denn g'standene Tarockrunde: ein Bürgermeister, liche KMB-Runde ist eine große christliche Mannsbilder sind ge- ein Lehrer, ein Banker und ich. Oft Chance dafür!" wurde es spät – manchmal sogar Christian Haidinger. Der Autor ist Abt des
„früh". Aber immer war am Ende Das Beispiel wirkt ansteckend Benediktinerstifts Altenburg bei Horn, noch Zeit zu einer kurzen Gebets- Ein kurzer Text aus dem Prophe- Präses der Österreichischen Benediktiner- zeit: Stille – Dank – Bitte! Mein ten Sacharja (8,23) möge diese kongregation und Vorsitzender der Österreichi- Vorschlag: Miteinander beten, Gedanken und Überlegungen zu- schen Superiorenkonferenz der Männerorden.
Ausgabe 1 Februar 2014 7
„Gehorsam geht nie ohne Gewissen" Verantwortung tragen. Der „Aufruf zum Ungehorsam" der
Abt Reinhold: Als Oberer kann
Pfarrerinitiative hat viele Diskussionen ausgelöst. Ordensleute ich niemanden zu etwas zwingen. haben „Gehorsam" als eines ihrer Gelübde versprochen. Ypsilon Was ich tun kann, ist einzuladen sprach mit Oberin Michaela Pfeiffer und Abt Reinhold Dessl, in die Verantwortung, hinzuhören was „Gehorsam" für sie persönlich und als Vorgesetzte bedeutet.
auch auf unsere gemeinsamen Aufgaben. Ich werbe dafür.
Was bedeutet für Sie der Begriff hinzuhören, auch auf die Mitar- In einem Orden leben Sie in einer beiter. Wenn ich gelernt habe, demokratischen Gemeinschaft, von Oberin Michaela: Für mich ist Ge-
vorurteilsfrei auch auf die Bedürf- der sie gewählt worden sind. Das horsam ein grundsätzlich christ- nisse des Anderen zu hören, kann ist in der Kirche oft nicht so. Ändert licher Wert, der alle Menschen ich auch in kritischen Situationen das etwas in Ihrer Position? betrifft. Mich begleitet er ständig relativ gut reagieren.
Abt Reinhold: Ich glaube schon,
im Alltag. Ich sehe es z. B. auch als dass dadurch eine breitere Basis Gehorsam Gott gegenüber, dass Als Oberin und Oberer sind Sie auch auch der Legitimation da ist. Ich ich meinen Leib, mich als Frau, in der Funktion einer Person, die kann zu den Mitbrüdern sagen: einfach so annehme, wie ich bin. Gehorsam einfordert oder vorlebt. „Das habt ihr euch selbst gemacht, Wenn mir das gelingt, dass ich Oberin Michaela: Ich versuche ein- indem ihr mich gewählt habt." Ich
mein Wesen so annehme, wie ich fach, dass ich als Oberin eine Hö- stehe – so wie ich bin – mit mei- bin, lebe ich eine wesentliche Hal- rende bin, in das Leben des Men- nen Stärken und Schwächen zur tung von Gehorsam. Das wirkt sich schen, des Anderen hineinspüre: Verfügung.
dann auch in meinem Al tag und in Was ist seine oder ihre Wirklich- Oberin Michaela: Das Konzil
meinen Entscheidungen aus.
keit? Was ist ihm mitgegeben wor- hat von einer „brüderlichen Ge- den ins Leben? Das nennt man meinschaft" gesprochen, und ich Sr. Michaela, Sie strahlen jetzt, „Lebensgehorsam". Das ist der möchte es heute als „geschwister- während Sie das sagen! Grund, aus dem ich auf die Mit- liche Gemeinschaft" übersetzen. Abt Reinhold: Bei uns Zisterzien-
schwestern höre. So fordere ich sie Tatsache ist, dass die Rückmel- sern spielt die Regel des heiligen heraus, selbst Verantwortung zu dungen, die ich von Mitschwe- Benedikt eine große Rolle. Diese übernehmen. Verantwortung ist stern bekomme, eine Beziehung Regel beginnt mit den Worten: von jeder gefordert, natürlich von ausdrücken. Wenn ich ehrlich „Höre mein Sohn". Das heißt auch: mir als Oberin etwas mehr. Meine bin, muss ich dem gerecht werden „Leih mir das Ohr meines Herrn." Mitschwestern tragen grundsätz- und den Mitschwestern gegenüber Ganz konkret heißt es für mich lich viel dazu bei. auch meine Unsicherheit oder meine Armseligkeit – dass ich ja auch nicht 100-prozentig weiß, was der Wil e Gottes ist – zugeben. Ich selbst bin auch eine Suchende.
Abt Reinhold: In der Regel des
heiligen Benedikt ist sehr wich- tig das Hinhören des Herzens. Als zweites kommt dazu, dass der Abt immer die Brüder um Rat fragen soll. In der Regel steht, er soll die jüngsten fragen, denn denen wird oft eingegeben, was das Beste ist. Im vorletzten Kapi- tel heißt es: Die Mitbrüder sollen einander im gegenseitigen Ge- horsam übertreffen. Das könnte man auch in der Kirche und in der Gesellschaft einbringen. Das ist kein Kadavergehorsam von Ausgabe 1 Februar 2014 8
„Gehorsam geht nie ohne Gewissen" oben nach unten, sondern das ist etwas Wechselseitiges.
Sie haben jetzt Elemente erwähnt, die in der landläufigen Diskussion um „Gehorsam" nicht angesprochen werden: Beziehung, Zutrauen, ei- nander vertrauen, miteinander den Weg gehen, den man erkannt hat. Landläufig hat man einen militä- rischen Gehorsamsbegriff im Hin- terkopf: Einer schafft an, der andere fragt nicht und denkt nicht, sondern tut's. Ich habe für unser Gespräch die Al gemeine Dienstvorschrift des Bundesheers mitgebracht. Abt Reinhold: Mich überrascht,
Abt Reinhold Dessl was ich da lese. In den Vorschrif- und Generaloberin Michaela Pfeiffer ten des Bundesheers kommt die Abt Reinhold: Kritik wäre dann göttlichen Autorität. Wie kann
„gewissenhafte" Erfüllung des auch ein Dienst an der Autorität. man das auseinanderhalten? Auskunft, wie sie Befehls vor. Gehorsam geht nie Bischof Maximilian hat zu mir Abt Reinhold: Autorität braucht ihr Ordensgelübde
„Gehorsam" leben.
ohne Gewissen. Weiter steht da: gesagt: Wir aus unseren Gemein- kritische Hinterfragung, auch in Befehle sind nicht buchstäblich schaften kennen diese Kritik, so- unserer Kirche. Wenn ich mich auszuführen, die Absicht ist zu dass wir immer herausgefordert recht erinnere, kommt das Wort hinterfragen. Ich finde das revolu- sind. Das ist auch etwas, was wir „Autorität" von „augere" – ver- tionär! Aber Klöster sind keine Ka- Orden in die Kirche einbringen mehren: Sinn der Autorität ist es, sernen, Frau Oberin und ich sind können.
Leben zu vermehren, Freiheit zu keine Generäle und Generälinnen. vermehren, die Botschaft zu ver- Wir haben nicht den Drang zu War Jesus gehorsam? mehren. Unter diesem Anspruch uniformieren, sondern es ist wirk- Oberin Michaela: Für mich ist bi- stehen wir. Natürlich gibt es Rei-
lich etwas Partnerschaftliches im blischer Gehorsam grundsätzlich bungs- bzw. Konfliktpunkte, das gemeinsamen Ringen.
dialogischer Gehorsam. Mose darf gehört für mich ganz wesentlich Oberin Michaela: Auch ich bin bei Gott im Dornbusch klar seine dazu. Wir sollten den ungehor-
überrascht, was da eigentlich drin- Bedenken sagen. Im Neuen Testa- samen Jesus nicht ideologisch nen steht: Die Menschenwürde ist ment hat Jesus ganz massiv reagiert vereinnahmen, aber diese Frei- angesprochen, die Leistungsbereit- gegen die Autorität, wo einfach et- heit Jesu gegenüber den Instituti- schaft, das Verantwortungsgefühl. was völlig verdreht wird. Jesus hat onen ist schon faszinierend. Diese Aber es wird ständig von Unterge- z. B. gesagt: Gebt dem Kaiser, was Freiheit der religiösen Autorität benen und Vorgesetzten gespro- des Kaisers ist. Er hat die Steuer von damals gegenüber – davon chen. Gemeinschaft braucht eine bezahlt, hat aber bei der Tempel- könnten wir auch noch etwas Struktur und braucht auch eine reinigung alle vertrieben, weil sie lernen. Im Gegenzug kennt Jesus Leitung. Leitungsverantwortliche etwas verdrehen. Ich glaube, dass diesen ganz tiefen Gehorsam sei- haben mehr Verantwortung, aber Jesus' tiefstes Anliegen war, mit nem Vater gegenüber. Der Tod am sie werden nicht von vornherein den Menschen lebensfördernd Kreuz ist der größte Ausdruck die- als Vorgesetzte betrachtet. Die umzugehen, sie einfach wachsen ses abgrundtiefen Vertrauens. Wortwahl macht etwas mit uns. In zu lassen – Leben zu stiften. Interview: Markus Himmelbauer.
unserer Lebensregel heißt es: „Im Michaela Pfeiffer (57), seit 1994
Hinblick auf die Gemeinschaft eint Das ist nach jüdischem Verständ- Generaloberin der Marienschwestern vom der Gehorsam alle Mitglieder in der nis auch der Sinn des Gehorsams Karmel (Linz), Diplomkrankenschwester. Vielfalt der Gaben und der Achtung gegenüber der Tora, und Jesus Reinhold Dessl (51), seit 2013 Abt des
der individuel en Persönlichkeit in lebte ganz als Jude. Wir begegnen Zisterzienserstifts Wilhering bei Linz und derselben Berufung und Sendung." bei ihm einer weltlichen und einer Pfarrer von Gramastetten und Eidenberg.
Ausgabe 1 Februar 2014 9
Wie lustig darf der Glauben sein? Lachen. Dass man im Glauben „Freude" findet, ist allgemein anerkannt. Aber darf
Glauben auch „lustig" sein? Oberrabbiner Chaim Eisenberg ist bekannt dafür, tiefe Glaubenswahrheiten mit einer Portion Humor zu verkünden. Im ypsilon-Gespräch traf er den katholischen Religionspädagogen Martin Jäggle.
Wie lustig darf der Glauben sein? den gelacht wurde": Jitzchak – wenn wir jedes Jahr die Tora fertig Chaim Eisenberg: Wenn lustig Isaak. Sara, als man ihr sagte, sie lesen, Simchat Tora. Die Tora ist
mehr ist als fröhlich, da muss man bekommt ein Kind, hat ein biss- für uns keine Last, die wir „lei- schon aufpassen. Wir sind der Mei- chen gelacht. Dafür wurde sie kri- der" tragen müssen, sondern auch nung, dass ein religiöser Mensch tisiert. Andererseits hat auch Ab- Freude. Das Judentum ist eine Re- auch lustbetont leben darf. Es darf raham gelacht. Wenn das Lachen ligion, die Feste feiern, aber auch nur nicht sein, dass das Wesent- ein Lachen der Freude ist, ist es ein trauern kann, wenn z.B. der Schoa liche des Menschen ist, dass er gutes Lachen. Wenn es ein nicht- gedacht wird. Leider wird viel eicht lustbetont ist. Wahrscheinlich ist gläubiges Lachen ist, dann ist es heute in der Öffentlichkeit mehr es mit lustig auch so. Es darf lustig ein nicht so gutes Lachen.
die Trauer – das Gedenken an Ver- sein, aber nicht immer, es gibt auch Martin Jäggle: Es haben sich ja folgungen – hervorgehoben. Wir
ernste Momente. Aber das darf dann doch Traditionen durchge- sind weder übermütig und über- nicht der Hauptzweck und -inhalt setzt, die dem Lustigen und Lust- lustig, sondern wir feiern unsere des Lebens sein, sondern das darf betonten Raum geben. Bei jedem Feste dem Anlass entsprechend. Kirtag, bei jedem Kirchweihfest ist Der Tag, an dem der Tempel in Martin Jäggle: Die christliche Tra-
alles lustvoll, menschlich.
Jerusalem zerstört wurde, ist na- dition hat sich mit lustig immer türlich auch ein Trauertag und ein wieder schwer getan. Vor einigen Ein lustiges religiöses Fest gibt es Fasttag. Dieses Konzentrieren auf Jahrzehnten war der „lachende aber im Christentum nicht. Man einen Tag heißt aber auch, dass Christus" ein großer Kunstskan- könnte ja ein Fest des ersten Wun- wir nicht unser ganzes Leben dem dal. Umberto Ecos „Der Name der ders Jesu bei der Hochzeit von Kana Trauern widmen sollen.
Rose" hat ja von dieser mittelalter- feiern. Purim im Judentum ein Fest, Martin Jäggle: Im Mittelalter ist
lichen Auseinandersetzung gelebt, bei dem man wirklich ausgelassen das Labyrinth von Chartres getanzt, ypsilon-Chefredak-teur Markus Himmel- ob Jesus gelacht hat. Heute hat es ist. Mehr sogar, als ausgelassen. nicht beschritten worden. Für Os- bauer brachte den fast den Eindruck, als ob dem Chri- Chaim Eisenberg: Purim, das war tern hat sich dann für lange der so-
Religionspädagogen Martin Jäggle und stentum das Lachen vergangen ist. eine Errettung aus einem angekün- genannte Oster-Witz etabliert. Am Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg: Einer unserer digten Pogrom! Es gibt einen zwei-
Ende der Feier hat der Priester ei- Chaim Eisenberg miteinander ins drei Urväter heißt sogar „Der, über ten Anlass der Freude und das ist, nen Witz erzählt, ein Ostermärlein, dass al e Tränen gelacht haben.
Chaim Eisenberg: Das zeigt ja, dass
das fröhlich sein und das Trauern irgendwo denselben Ursprung haben. Wenn man Tränen lachen kann, ist das schön.
Martin Jäggle: Und das ausgerech-
net zu Ostern! Es hat immer wie- der auch dieses Ausbalancieren gegeben gegenüber diesem „Jesus lacht nicht" und der Lebensfreu- de. Besonders war das dann am 28.  Dezember, dem „Tag der un- schuldigen Kinder", an dem Kin- der das Regiment in einem Kloster übernommen haben. Oder natür- lich auch im Fasching. Im Kölner Dom war es üblich, einen Esel auf den Bischofsthron zu setzen und Ausgabe 1 Februar 2014 10
Eine unltraorthodoxe Familie in Jerusalem: Die Kinder sind ver- im Kniefall zu verehren, was heute scheiden ist, der mit dem, was Sind Freude und Ausgelassenheit kleidet zum jüdischen schon fast Blasphemie oder Religi- ihm das Leben so bietet, dau- eine Grenze gegen jeden gries- onsstörung wäre. Da hat auch der ernd unzufrieden ist, kann nicht grämigen Fundamentalismus? Kirchenraum den anderen Seiten lustig sein. Es gibt einen Vers in Darf man sich über eine andere des Menschseins Raum geben den Sprüchen der Väter: „Der ist Religion lustig machen? wirklich reich, der sich an dem Martin Jäggle: Witze soll man nur
Chaim Eisenberg: Dem entspre- freut, was er hat." Man darf schon über die eigene religiöse Tradition
chend gibt es in chassidischen Krei- manchmal unzufrieden sein, aber machen. Über andere Personen sen an Purim einen so genannten im Prinzip heißt es: Zufriedenheit nur, wenn es Diktatoren sind.
Purimrabbiner. Das ist nicht der führt zur Freude – und dabei auch Chaim Eisenberg: Es gibt Witze
Weiseste, sondern einer – der wohl die Lust zu erlauben, aber sie in zwischen Rabbinern und Prie- etwas über die Tora weiß – aber es Schranken zu halten. Das Juden- stern, wo meistens der Rabbiner spaßig darstellen kann. Da gibt es tum sagt nicht, man darf nicht es- gewinnt, weil er „wie so oft" der ganze Purimstücke, in denen die sen, aber gewisse Dinge dürfen wir Klügere ist. Aber wir machen uns lustigen Fragen des Purimrabbi- Juden nicht essen. Man darf mit nicht über andere Religionen lu- ners kommen. Im Talmud steht: einer Frau zusammenleben, aber stig; wir sagen nur, wir haben da Wenn ein Rabbiner einen ernsten nur – so will es das Judentum, das ein paar Zentimeter Vorsprung.
Talmud-Vortrag halten soll, so soll Christentum natürlich auch – mit Das ist vielleicht der Unterschied er ihn immer mit einem kleinen der eigenen mit der man verhei- zwischen einem tief frommen Witz beginnen, dann werden die ratet ist. Das heißt, Lust ist nichts Menschen und einem Funda- Leute aufpassen.
Böses, aber wir werden trotzdem mentalisten. Der tiefe, fromme immer darauf hingewiesen, dass schaut drauf, dass er fromm ist; Lustig hat ja auch damit zu tun, wir nicht maßlos sein sollen.
der Fundamentalist schaut drauf, aus der Sphäre des Heiligen auszu- Martin Jäggle: Es heißt ja letzt- dass der andere fromm ist. Der
brechen. Wenn man „fröhlich" sagt, lich auch „fröhliche" Weihnacht tief-fromme Mensch ist beschei- dann ist man noch in der gesetz- und nicht „lustige" Weihnacht. Da den und lächelt oft. Der Funda- teren Sphäre; „lustig" unterbricht sieht man vielleicht die Grenze. mentalist hingegen glaubt nicht, das, man schafft einen Abstand. Die Sorge, dass die Freude zu sta- sondern er weiß schon alles. Weil Martin Jäggle: Für Peter L. Berger tisch, zu ernst und zu begrenzt ist, er alles „besser" weiß, fehlt ihm
ist Humor ein Zeichen von Trans- würde ich teilen und daher davon jeder Humor. zendenz und Harvey Cox nennt reden, der ausgelassenen Freude Interview: Markus Himmelbauer.
Gelächter der Hoffnung letzte Raum zu geben. Etwa auch beim Martin Jäggle (65), Religionspädagoge,
Tanz. Damit würde man etwas Präsident des Koordinierungsausschusses für Chaim Eisenberg: Fröhlich oder wiederbeleben, was in der Kirche
christlich-jüdische Zusammenarbeit. lustig kann auch bedeuten: Be- als Form des Gotteslobs nicht Paul Chaim Eisenberg (63), seit 1983 Ober-
scheidenheit. Jemand, der unbe- mehr üblich ist.
rabbiner der jüdischen Gemeinde in Wien.
Ausgabe 1 Februar 2014 11


„Ein trauriger Christ
ist ein trauriger Christ"
Pfarrer Josef
Pfarrer Josef Etzlstorfer in Katsdorf Eine Faschingspredigt (Diözese Linz) hält eine Tradition von Faschingspredigten lebendig. Für ypsilon gibt es uns Männern gereimte Ja, eine Kart' haben's aufgelegt, Die Männer wahrlich sehr oft handeln, Ermutigungen und Weisheiten mit auf darauf die Frag': Was Mann bewegt?" sie möchten ja die Welt verwandeln.
den Weg (rechts).
Denn damit möcht' man eruieren, Das fing schon bei der Schöpfung an: was Männer innerlich verspüren, „Macht euch die Erde untertan!" Wie sind Sie darauf gekommen, was in der Seel' sich alles tut, So heißt es in der Bibel dort, eine „Faschingspredigt" zu halten? was antreibt jetzt den Männermut. das ist bestimmt ein wicht'ges Wort. Josef Etzlstorfer: In Katsdorf gibt
Zerstört sie nicht, die schöne Welt! es im Fasching einen Pfarrfrühschop- Das Erste ist wohl das Bewegen,
Die Aufgab' ist uns heut' gestellt. pen. Dort habe ich angefangen, über das ist im Leben stets ein Segen. Da haben wir sehr viel zu tun, pfarrliche Ereignisse einen gereimten Nicht nur der Körper bleibt ganz fit, da dürfen wir jetzt nicht mehr ruh'n! Beitrag zu bringen. Manche habe es macht da auch die Seele mit. ich dann am Faschingssonntag beim Im Leben muss man sich entfalten, Weil viele Leut' im Elend sitzen, Gottesdienst gehalten. Von Pfarrer man darf nicht stehen bleib'n beim Alten. die Männer diese unterstützen.
Johann Holzapfel (+ 1989) hat es in den Man muss entdecken, was man kann, Die Männer seh'n die große Not Jahren 1967–1986 in der Kirchenzei- nur so entfaltet sich der Mann. und helfen heißt hier das Gebot. tung jährlich eine „Faschingspredigt" Die Aktion heißt SEI SO FREI, gegeben. Faschingspredigten haben Talente gibt es ja sehr viele, und viele Leute sind dabei. eine längere Tradition.
sie dienen stets dem einen Ziele: Projekte werden unterstützt, Die Welt, das Leben zu gestalten
damit dies auch der Zukunft nützt. Ist ein Gottesdienst ein und Spannungen auch auszuhalten. ange messener Ort für Humor? Gestalten sol 'n die Männerleut', Die Männer wachsen Jahr um Jahr,
Josef Etzlstorfer: Im Gottesdienst
mit Stil stand hat man keine Freud'. sie suchen, fragen: „Was ist wahr?" soll unser Leben vorkommen. Eine Denn im Beruf und auch zuhaus', Sie wol en ja die Welt gestalten, Seite des Lebens ist der Humor, er da lebt der Mann sein Können aus. den Glauben auch lebendig halten. wirkt befreiend und erlösend, er kann Mit Frau und Kindern und Kol egen, Der Geist des Herrn mög' sie erfüllen, daher auch im Gottesdienst vor- da kann der Mann sehr viel bewegen. dass sie stets finden Gottes Wil en! kommen. Unsere Gottesdienste sind Er kann ein wahrer Segen sein, Die KMB, die ist ein Segen, manchmal zu ernst und zu steif.
drum setzt er sich gewaltig ein. weil Männer dort sehr viel bewegen. Glauben selbst, ist das auch „lustig"? Josef Etzlstorfer. Der Autor ist Pfarrer von
Josef Etzlstorfer: Es gibt das be-
Katsdorf in der Diözese Linz.
kannte Wortspiel „Ein trauriger Christ ist ein trauriger Christ". Ein Christ hat allen Grund zur Freude, er kann und soll auch lustig sein. Evangelium heißt ja frohe Botschaft. Im Brief an die Philipper werden wir aufgefordert: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe" (Phil 4,4-5).
Geben Sie den Gläubigen auch sonst während des Jahres in Gottesdienst etwas zum Lachen? Josef Etzlstorfer: Auch während
des Jahres bringe ich die Leute in der
Kirche manchmal zum Lachen, meist
im Anschluss an die Verlautbarungen.
Einer meiner Grundsätze lautet: Man
muss das Volk Gottes manchmal zum Lachen bringen. y Interview: Markus Himmelbauer.
Ich kann meinen
für Menschen in Not Laut UNESCO können 744 Millionen Menschen weltweit nicht richtig lesen und schreiben. Eine Million sind es sogar in Österreich. Schockierende Zahlen! Denn für uns ist es unvorstellbar, als An-alphabetin oder Analphabet in unserer Wissens-gesellschaft zu leben. Mit verschiedenen Tricks helfen sich die betroffenen Menschen hierzulan-de darüber hinweg, schließlich ist hier Analpha-betismus bei Erwachsenen ein Tabuthema.
Eigentlich gar kein Tabuthema, sondern bitterer Alltag ist das vor allem für Frauen in den länd-lichen Regionen Mosambiks. „Wozu müssen sie lesen und schreiben können?", kann man sich fragen: „Für den Haushalt, die Kindererziehung, die Feldarbeit ist das doch weit nicht so not-wendig wie im Alltag bei uns in Österreich!"„Ich kann jetzt meinen Namen schreiben!", freut sich eine Schülerin der Schule unter dem Schattenbaum. Bisher ersetzte ein Fingerabdruck ihre Unterschrift. Das deklarierte sie sofort als ungebildet, arm und unwissend, also auch als manipulierbar und benützbar!Die erwachsenen Schülerinnen und Schüler erleben am eigenen Leib, wie wichtig Bildung ist. Diese positiven Erfahrungen stärken sie in der Überzeugung, dass auch ihre Kinder – Töchter wie Söhne – unbedingt eine Schule besuchen und abschließen sollen. Gemeinsam werden sie in Zu-kunft ihr Leben und ihre Region selbst gestalten. Das stärkt ihre Position gegenüber der Regierung Mosambiks, die wie in vielen Ländern Afrikas, die Bedürfnisse der Landbevölkerung vernachlässigt und rein wirtschaftliche Interessen verfolgt.
Lesen, schreiben, rechnen können – das ist die Basis für ein selbstbestimmtes Leben, für ein Leben in Würde. Schaffen Sie mit uns diese Grundvoraussetzungen für die Menschen in Mosambik! Danke.
Christina Lindorfer ABC unter Bäumen Die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung Ausgabe 2 April 2009 13
Stern der Hoffnung
In der Adventsammlung haben wir für die Schule in Pearl Lagoon (Nicaragua) um Ihre Hilfe gebeten. Dort maturierten am 26. November 2013 die ersten 45 Schülerinnen und Schüler – ein unvergesslicher Tag für die Jugendlichen, ihre Eltern und Direktorin Lissa Powell. Dank Ihrer Spende wird dies auch für den nächsten Jahrgang mög-lich, weil wir die Kinder weiterhin mit Schulbüchern und -kleidung unterstützen und einen Teil der Lehrergehälter übernehmen. Besonders erfolgreich war die OÖN Christkindl-Gala im Musik-theater Linz. Die Vorpremiere der Operette „Die Fledermaus" ergab 9.000 Euro für unsere Projekt-arbeit. Danke! Schule unter dem ABC. Viermal pro Woche wird in Mosambik der
Schattenbaum in Zinguire für drei Stunden zum Dorfmittelpunkt. Dann lehnt Jualiza Pedro eine Tafel an den Baumstamm und bringt einer Gruppe Erwachsenen Lesen, Schreiben und Rechnen bei. In nur drei Jahren holen sie so die fünf Schulstufen der Volksschule nach.
Jualiza unterrichtet in der Amts- viel Zeit im Unterricht verbringen. sprache Portugiesisch. Wenn je- Die Vorteile einer soliden Basis- mand etwas nicht versteht, er- ausbildung sind aber im täglichen klärt sie es in der lokalen Sprache. Leben sofort spürbar. Die Kurs- „Niemand ist zu alt, um zur Schu- teilnehmerinnen und -teilnehmer le zu gehen!", sagt die engagierte können nun auf dem Markt ihr Lehrerin. Ihr ist es ein besonderes Wechselgeld kontrollieren, finden Anliegen, Frauen zum Kursbe- mit ihrem kranken Kind auf dem such zu bewegen. Dafür muss sie Arm schneller das richtige Zim- oft Überzeugungsarbeit leisten, mer in der Gesundheitsstation und denn nicht alle Ehemänner se- wissen, wie viele Tabletten sie laut hen es gerne, dass ihre Frauen so Beipackzettel einnehmen müssen. welt blick Februar 2014 Nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal führte der Bürgerkrieg von 1975 bis 1992 zur Vertreibung der ländlichen Bevölkerung und zum wirtschaftlichen Zusammen-bruch. Trotz eines Wirtschafts-wachstums von 6 bis 8 % verdie-nen die 25,2 Mio. Menschen in Mosambik statistisch nur je ca. 579 US-Dollar im Jahr. Denn das starke Bevölkerungswachstum Alphabetisierungskurs im Dorf Estaquinha (oben). von 2,5 % – eine halbe Million Christina Lindorfer (SEI SO FREI Linz) mit Kurs- Zuwachs jährlich! – bremst teilnehmerinnen aus Zinguire (oben rechts).
den Wohlstand. Jede und jeder Schule unter dem muss im Durchschnitt mit rund 1,50 US-Dollar am Tag auskom-men. 70 % der Bevölkerung sind aber selbst davon meilenweit leitet seit 2006 entfernt! Das Land nimmt beim weltweiten Index für mensch- Fotos: SEI SO FREI Linz (4) liche Entwicklung (HDI) nur den 185., den vorletzten Rang ein. Armut ist besonders in den ab- Spätfolge des Bürgerkriegs Voraussetzung für ein gelegenen Regionen des knapp Möglich wird dies durch die jahre- selbstbestimmtes Leben 800.000 km² großen Staates lange Kooperation von SEI SO FREI Unterstützung bekommen die stark ausgeprägt – z. B. in der mit der mosambikanischen Part- Eltern auch von ihren Kindern. Provinz Sofala.
nerorganisation Esmabama.  Sie „Manchmal helfe ich meiner bietet in 27 abgelegenen Dörfern Mama bei den Hausübungen", er- Viele Erwachsene konnten auf- in der Provinz Sofala Alphabetisie- zählt die 11-jährige Luisa. „Ich bin grund des Bürgerkriegs in ihrer rungskurse an. 38 Lehrkräfte bilden richtig stolz auf sie, dass sie nun Jugend nicht in die Schule gehen. derzeit rund 1.200 Erwachsene aus, ihren Namen schreiben kann und Heute fördert der Staat den die in ihrer Kindheit aufgrund des nicht mehr mit ihrem Fingerab- Schulbesuch aller Kinder bis zur Bürgerkriegs von 1975 bis 1992 druck unterschreiben muss!" Das 7. Klasse. Danach müssen die Fa- keine Schule besuchen konnten. steigert das Selbstbewusstsein der milien aber Schulgeld, -kleidung Letztes Jahr bestanden 60 Prozent Menschen enorm.
und Transport selbst bezahlen. In von ihnen die Prüfungen erfolg- Damit die Eltern auch zukünftig einer patriarchalen Gesellschaft reich. „Wenn man bedenkt, dass Lesen, Schreiben und Rechnen sinken damit die Bildungschan- sich viele nebenher noch um Land- lernen können, unterstützt SEI SO cen für Mädchen. Die Folge: wirtschaft, Familie und Haushalt FREI dieses Projekt weiterhin: Weil 70,8 % der Männer können lesen kümmern müssen, ist das eine Bildung die Grundvoraussetzung und schreiben, hingegen nur ganz beachtliche Leistung!", sagt für ein selbstbestimmtes Leben ist! 42,8 % der Frauen. Auf dem Land Christina Lindorfer, Projektleiterin ist es oft nicht einmal ein Fünftel.
von SEI SO FREI Linz. Dach über dem Kopf
Pater Gabriel Mejía, Romero-Preisträger 2008, hat sein Leben den Straßen-kindern Kolumbiens gewidmet. Mit seinem Team holt er sie von der Straße und ermöglicht ihnen ein Leben ohne Gewalt und Drogen. SEI SO FREI hat erfolgreich den Aufbau des Heims „La Alegría" (die Freude) in Pereira unter-stützt. Inzwischen kommt das Heim ohne Hilfe aus Österreich aus. Andere Heime brauchen jedoch noch dringend Unterstützung. SEI SO FREI wird deshalb das Heim in Cali fördern.
Leben ohne Gewalt und DrogenDie Mädchen und Buben vom Heim „La Alegría" danken von Herzen für Viele Kinder in Medellin leben auf der die Unterstützung, die ihnen durch Straße, schlafen in Eingangstüren oder Spenden an SEI SO FREI zuteil wurde. unter Brücken. Hunger und Durst stillen Mit den Beiträgen für ein „Dach über sie mit giftigem Schuhkleber. Seit dem sechstem Lebensjahr lebte Mario (Bild dem Kopf" können wir weiterhin den unten links) auf der Straße. Doch Mario Kindern ein Zuhause ermöglichen – hatte Glück: Er fand Platz im Heim „La Alegría", das Padre Gabriel Mejía Kindern wie Victor. Victor hat zehn (Bild links) gegründet hat. Dort hat Mario Geschwister, will aber keinen Kontakt ein Dach über dem Kopf und geht in die mit seiner Familie: Sein Vater hat ihn misshandelt, seine Mutter sitzt im Gefängnis. Als er mehr auf der Straße als zu Hause lebte, hat ihn eine Tante zu Padre Gabriel gebracht.
Hier bekommt er nun eine neue Chance: „Alle, die mit Herz und Verstand auf Menschen zugehen, können positiv wir-ken. Für mich gibt es da ein Schlüssel-wort: die Liebe. Sie ist das Medikament gegen alle Formen von Krankheit und Leid. Wer Liebe gibt, kann auch die Wun-den heilen, die das Leben geschlagen hat", so die Überzeugung von Romero-Preisträger P. Gabriel Mejía. Wolfgang K. Heindl
Zu bestellen bei seisofrei@ka.kirchen.net Welthandel
Der „faire" Nikolaus unterwegs Adventbeginn in Bali: Zum ersten Mal hat die Welthandelsorganisation (WTO) ein Freihandelsabkommen für alle ihre 159 Mitglieder beschlossen. Wolfgang K. Heindl.
Internationale Handelskammern stimmten ein Loblied an: Bürokra-tische Erleichterungen würden bis zu einer Billion Dollar Ersparnis bringen und weltweit würden rund 21 Millio-nen neue Arbeitsplätze geschaffen.
Keine Subvention von Grundnahrungsmitteln Indien hat sich gegen den Widerstand Europas und der USA eine Ausnahme bei der Subventionierung von Getreide für seine über 800 Millionen Armen erkämpft. Das Land darf dieses Pro-gramm aber weder ausweiten noch mit nahrhaften Lebensmitteln wie Milch oder Hirse ergänzen. Neue Initi- ativen dürfen künftig aber nicht mehr gestartet werden. Kein Land kann In Wien empfangen Dompfarrer Toni Faber, KMB-Obmann Roland Dippelreiter, Romero-Preisträ- demnach mehr staatliche Maßnahmen ger Helmut Nagorziansky und KMB-Diözesanobmann Helmut Wieser den fairen Nikolaus.
zur Stützung von Kleinbauern oder zur Bekämpfung von Hunger ergreifen.
Freihandel nützt immer Begegnung mit Guatemala und Nicaragua
Linz. Über den Jahreswechsel hat SEI SO FREI im Linzer Ursulinenhof aktuelle
Nun gestehen selbst Kritikerinnen und Projekte vorgestellt. Am Beispiel von Nicaragua und Guatemala wurden Kritiker der neuen Abkommen ein, Bildungs- und Landwirtschaftsprojekte, die das Land OÖ unterstützt, in einer dass für ärmere Länder die multila- sinnlich erfahrbaren Weise präsentiert. Umfangreiches Film- und Fotomaterial teralen Regelungen der WTO besser sowie originale Objekte (Trachten, Schulkleidung, etc.) gaben Einblicke in die (weil weniger schädlich) sind als Umsetzung von Entwicklungsprojekten und in die Lebensrealitäten der Men- bisherige zwischenstaatliche Verein- schen vor Ort. Bei der Ausstellungs- barungen. Doch die Frage bleibt: Wer eröffnung am 28. November berichtete profitiert von Zollerleichterungen? Landeshauptmann Josef Pühringer von Lokales Kleinhandwerk in den Ent- seinen persönlichen Eindrücken aus wicklungsländern oder internationale den beiden Projektländern. Ab Februar Multis? Wem nützt ein deregulierter stehen die Exponate als Wander- Agrarmarkt? Kleinbauern in den Ent- ausstellung zur Verfügung. wicklungsländern oder der globalen Nähere Infos: SEI SO FREI Linz.
Agrarindustrie? Die Geschichte zeigt: Freihandel nützt immer dem Stärkeren. In den USA Neuer Fundraiser für SEI SO FREI
wurde er erst zur Doktrin, als der Salzburg. Reinhard Rechberger ist seit Oktober Fund-
wirtschaftliche Vorsprung Großbritan- raiser bei SEI SO FREI. Seine Aufgabe ist, durch Kontakte niens aufgeholt war. Auch Deutsch- und Aktionen Mittel für unsere Projekte in Lateiname- land oder zuletzt die asiatischen rika und Afrika zu beschaffen. „Für mich war es schon Tigerstaaten schützten (bei gleich- in meinen jüngeren Jahren wichtig, soziale Kompetenz zeitiger Exportorientierung) ihre aufzubauen und zu leben", erzählt Rechberger: „Umso Wirtschaft. Was die Industrie länder mehr erfüllt es mich mit Freude, ein Teil derer zu für sich selbst beansprucht haben, sein, die Solidarität mit den Ärmsten der Welt als ihre gestehen sie den Entwicklungs ländern Lebensaufgabe sehen." Rechberger war bis Ende 2001 Geschäftsführer des Osthilfefonds der Österreichischen Bischofskonferenz, später war er bei Missio Austria tätig.
Reinhard Rechberger yw lte ltblibclik Februar 2014 Der „faire" Nikolaus unterwegs Fair. Der Nikolaus von SEI
SO FREI war vom 1. bis 6. Dezember in Österreich unterwegs: Auf seiner Tour durch Wien, Salzburg, Linz und Eisenstadt traf er Persönlichkeiten der Medien, aus Politik, Wirtschaft und Kirche.
Am ersten Adventsonntag kam der Nikolaus von SEI SO FREI zum Salzburger Christkindlmarkt und in den Salzburger Dom, wo er an einer Nikolausfeier teil- nahm. In Wien reiste der SEI SO FREI-Nikolaus am 5.  Dezember per Schiff an. Er ankerte am Schwedenplatz und zog weiter vor den Stephansdom. Dort fand Foto: Land OÖ/Kr eine Kindersegnung mit Dom- Der faire Nikolaus macht in Linz Station. V.l.n.r.: Franz Hehenberger (Geschäftsführer SSF Linz), Projektpartnerin Lissa Powell pfarrer Toni Faber statt. (Nicaragua), der faire Nikolaus, SEI SO FREI-Projektmanagerin Christina Lindorfer und Landeshauptmann Josef Pühringer.
Der SEI SO FREI-Nikolaus besucht in Eisenstadt Bischof Ägidius Zsifkovics.
Begegnung mit Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (Mitte) und KA-Generalsekretär Karl Woditsch (rechts).
Auch Erzbischof Alois Kothgasser freut sich über die Der Nikolaus besuchte Heinrich Schmidinger, Der Nikolaus besucht Salzburgs Landeshauptmann fair gehandelte Nikolaus-Schokolade von SEI SO FREI.
Rektor der Universität Salzburg und Vorsitzender der Wilfried Haslauer. Er überbringt die fair gehandelte österreichischen Rektorenkonferenz, und dankt für die Nikolaus-Schokolade und erinnert an den Einsatz für Schwache und Arme.
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Impressum
Schreiben und Rechnen heißt
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Verantwortlich: Mag. Christian Reichart,
Generalsekretär Redaktion, Konzept:
Mag. Luis Cordero, presse@kmb.or.at Senden Sie Ihre Antwort bis 28. Februar Chefredakteur: Markus Himmelbauer
an SEI SO FREI – KMB Layout: Egger & Lerch, Wien, Martina Gangl
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Spiegelgasse 3/II, 1010 Wien Pressehaus, St. Pölten, www.np-druck.at – E-Mail: presse@kmb.or.at Österreichische Post AG/ Sponsoring.Post – SEISOFREI 1/2014 Zeitungsnummer GZ 02Z033179 S Das letzte Mal haben gewonnen
Medieninhaber: Diözese Linz
Elisa Graf, Weistrach NÖ Rücksendeadresse: KMBÖ,
Gerda Schranz. Fendels T Spiegelgasse 3/II, 1010 Wien hristine Pomaßl, E kchsenbach NÖ Ausgabe 6 Dezember 2012 20
Über alles abstimmen? Direkte Demokratie. Der politische Stillstand verursacht vielen Menschen Kopfzerbrechen.
Sie fragen sich: Wie könnte ein Ausweg aussehen? Wie könnte die Politik wieder flottgemacht werden? Die am häufigsten genannte Lösung ist der Ausbau der direkten Demokratie. Die Idee klingt tatsächlich beste- chend. Wenn unsere Repräsentan- ten in Parlament und Regierung ihre Arbeit nicht mehr machen, sondern einander nur noch blo- ckieren, muss das Volk selbst tätig werden. Durch Volksbefragungen, Volksabstimmungen und andere Instrumente der direkten Demo- kratie könnte wieder Schwung in unsere erstarrte Politik gebracht und so manche Blockade gelöst Wie gesagt, das klingt einleuch- tend. Doch Vorsicht ist geboten. Denn der auf dem Tisch liegen- de Vorschlag, Volksbegehren ab einer gewissen  Unterstützer- Anzahl  in Volksabstimmungen münden zu lassen, deren Ergebnis dann für die Politik bindend wäre, hat gleich mehrere Haken.
Zunächst besteht eminente Popu- lismus-Gefahr. Man stelle sich vor, in Österreich geschieht ein entsetz- liches Verbrechen, der Täter wird gefasst und es ertönt der Ruf nach Wiedereinführung der Todesstrafe. Die Boulevardmedien machen men. Das Gleiche gilt für potente stimmung Beschlüsse fassen, die Hungerstreik der Druck, veröffentlichen aufwüh- Lobbys, die nicht die Möglichkeit dem Kurs der EU zuwiderlaufen „Mütter gegen lende Bilder, schüren Emotionen – Atomkraftwerke"; erhalten sollten, sich mit kost- – etwa ein Nein zu den diversen ist in einer solchen Situation eine „Rettungsschirmen" –, hätten wir nüchterne Abwägung der Für und pagnen die für sie maßgeschnei- de facto nur die Möglichkeit, aus Wider möglich? Kaum.
derten Gesetze zu kaufen.
der Union auszutreten. Denn das Beispiel Irlands hat gezeigt, dass Das größere Umfeld: Europa Brüssel abweichende Haltungen Das führt zum zweiten Einwand Das dritte Argument gegen eine einzelner Mitgliedsländer (vor gegen einen allzu sorglosen Aus- schrankenlose Anwendung der allem, wenn sie klein sind) nicht bau der direkten Demokratie: die direkten Demokratie ist die EU- akzeptiert. Sie lässt dann einfach Macht der Medien. Es kann nicht Mitgliedschaft. Vor der Wahl 2008 so oft abstimmen, bis das Ergeb- sein, dass große Zeitungen zur versprach der heutige Bundes- Steigerung ihrer Auflage Kampa- kanzler, über wichtige EU-Fragen gnen für bestimmte Gesetzesbe- künftig verpflichtende Volksab- Abstimmung statt schlüsse starten und die Politik stimmungen abzuhalten. Nach Parlamentarismus? so vor sich hertreiben. Es genügt, ( für ihn) gewonnener Wahl war Das vierte Problem ist schließlich dass sie das indirekt tun. Sie sollen davon keine Rede mehr, und zwar das Verhältnis zwischen Volks- nicht auch noch direkten Einfluss aus gutem Grund. Würde Öster- vertretung und Volk. Derzeit ist auf die Gesetzgebung bekom- reich bei einer solchen Volksab- das Parlament an Ergebnisse von > Ausgabe 1 Februar 2014 21
> Volksabstimmungen gebunden. Schweiz. Nur: Sie wird dort seit Verlängerung des Mindesturlaubs Sie müssen also von den Abgeord- Jahrhunderten gehandhabt. Die und eine gesetzliche Beschrän- neten – ob sie wollen oder nicht Schweizer sind in manchen Land- kung der Manager-Gehälter mit – umgesetzt werden. Was bedeu- gemeinden seit Jahrhunderten deutlicher Mehrheit abgelehnt. tet, dass Beschlüsse der direkten gewöhnt, auf dem Dorfplatz zu Sie scheinen gegen Populismus Demokratie über Beschlüssen stehen und durch Abstimmungen immun zu sein. Und das Regel- der repräsentativen Demokratie per Handaufheben ganz direkt die werk der direkten Demokratie in stehen. Aber würde das in allen Geschicke ihrer Gemeinde zu be- der Schweiz verhindert einseitige Fällen so sein, also etwa auch bei stimmen. Auch auf Kantons- und Propagandafeldzüge von reichen Änderungen der Grundrechte Bundesebene gehören Volksent- Lobbys dadurch, dass der Staat und der Grundprinzipien der Ver- scheide zum täglichen Brot. Das sowohl den Gegnern als auch den fassung? Oder wären gewisse Be- hat in der Schweiz zu einer bei- Befürwortern einer Gesetzesini- reiche – z. B. Minderheitenrechte spiellos sparsamen, weil bürger- tiative vor der Abstimmung ein – von der Möglichkeit von Volks- nahen Verwaltung und zu benei- gewisses Budget für Informations- abstimmungen ausgenommen? denswert niedrigen Steuersätzen arbeit zur Verfügung stellt. Das Aber welche? Und welche Instanz und gesunden Staatsfinanzen schafft Waffengleichheit. Und: legt diese Ausnahmen fest? Die- geführt.
Den Schweizern wird quasi mit se wenigen Fragen zeigen schon, Das gelang aber nur, weil die der Muttermilch mitgegeben, dass dass ein Ausbau der direkten De- Schweizer das Geschäft der di- sie für das Gemeinwesen, in dem mokratie einen völligen Umbau rekten Demokratie sozusagen sie leben, verantwortlich sind, und unseres politischen Systems er- von der Pike auf gelernt haben. Sie dass sie mit ihrer Stimme bei Refe- haben sie zunächst in den kleinen renden daher verantwortungsbe- Einheiten der Gemeinden erprobt wusst umgehen müssen.
Schweiz: Andere Traditionen und erst dann auf die größeren Aber, so könnte man nun einwen- Einheiten des Staates ausgewei- Österreich: den, in der Schweiz funktioniert tet. Dadurch ist ihre Erfahrung Partei- statt Sachpolitik die direkte Demokratie doch her- mit diesem Instrument ebenso ge- Alle diese Voraussetzungen hat vorragend. Das stimmt. Die di- wachsen wie ihr Verantwortungs- Österreich nicht. Unser Land ist „Landsgemeinde" im Kanton Glarus: rekte Demokratie ist neben dem bewusstsein. Erst kürzlich haben historisch ganz anders gewach- Direkte Demokratie Föderalismus der Hauptgrund die Eidgenossen scheinbar popu- sen, hat vergleichsweise wenig hat in der Schweiz eine jahrhunderte- für die Erfolgsgeschichte der läre Initiativen wie jene für eine Erfahrung mit Demokratie im All- lange Tradition. gemeinen und noch weniger Er- fahrung mit direkter Demokratie im Besonderen. Volksentscheide werden bei uns nie von unten durchgesetzt, sondern immer von oben angeordnet. Sie drehen sich bei uns nie um die Sache, sondern werden immer verpar- teipolitisiert. Bei der Zwenten- dorf-Volksabstimmung stimmten Atomkraftbefürworter mit Nein, weil sie Bruno Kreisky eins auswi- schen wollten. Auch die jüngste Wehrpflicht-Volksbefragung war keine Volksinitiative, sondern ein Direkte Demokratie hat ihre guten Seiten, aber sie muss von unten wachsen, nicht von oben verord- net werden. Und sie muss erlernt werden. Da hat Österreich noch Alexander Purger. Der Autor ist Redakteur
für Innenpolitik der Salzburger Nachrichten und stellvertretender Leiter der Wiener Ausgabe 1 Februar 2014 22
Wohlbefinden. Die Erfahrungen von Männerrunden zeigen: Bekommen Männer
die Gelegenheit, sind sie sehr wohl dazu fähig – und es ist ihnen auch ein Bedürfnis –, über ihre Gesundheit, den Lebensstil, Probleme am Arbeitsplatz oder zu Hause zu sprechen. Und sie haben auch Interesse daran, eigene Verhaltensweisen zu überdenken und zu verändern.
1986 beschloss die Weltgesundheits- neunziger Jahre. 1999 wird in Wien festgestellt, ähnliches gilt für „Hy- organisation WHO die „ Ottawa- der erste Männergesundheitsbe- peraktivität". Vielleicht ist es kein Charta": „Gesundheit wird von richt ver öffentlicht.
Zufall, dass es nur den „Zappel- Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: Das kranke Geschlecht Männer sind am häufigsten be- Dort wo sie spielen, lernen, arbei- Der österreichische Männerge- troffen bei Herz-Kreislauf-Be- ten und lieben. … Gesundheit ist sundheitsbericht 2004 zeigt deut- schwerden, Krebs, Adipositas und körperliches, seelisches und sozi- lich: Bei vielen Krankheiten liegen Diabetes, Problemen im Bereich ales Wohlbefinden und nicht nur Männer statistisch gesehen an des Bewegungsapparates und psy- das Freisein von Krankheit oder der Spitze, ihre Lebensdauer ist chischen Erkrankungen . Selbst Behinderung." Betont werden darin durchschnittlich fünf Jahre kürzer bei Depression, die bislang stark zudem die starken Verknüpfungen als die von Frauen. Dieser Trend weiblich „dominiert" schien, zeigen zwischen Gesundheit und sozialer lässt sich schon bei Heranwach- aktuelle Studien, dass Männer Situation. Geschlechterspezifische senden beobachten. Neben tra- zumindest im gleichen Ausmaß Betrachtung der Themen Gesund- ditionellen Erkrankungen werden betroffen sind, aber viel weniger heit bzw. Gesundheitsförderung bei Buben häufiger als bei Mäd- darüber reden. Psychische Er- gibt es in Österreich ab Mitte der chen Lese- und Sprechprobleme krankungen bei Männern werden > Ausgabe 1 Februar 2014 23
Gesundheit – auch über jene von Männern – heute viel „öffentlicher" gesprochen. Es gibt eine Unzahl von Büchern oder auch das WebPro- jekt des Gesundheitsministeriums Spüren, was mir guttut Theoretisch ist klar, was Gesund- heit unterstützt: ausreichend Be- wegung, ausgewogene Ernährung, bewusster Umgang mit Stress und auch den eigenen Grenzen. Und dass es wichtig ist, zur Prostata- vorsorgeuntersuchung zu gehen, wissen eigentlich auch alle. Wa- rum dann diese Kluft zwischen Hilfreich kann zunächst die Frage sein, was mir als Mann guttut, wo- > häufig zu spät oder gar nicht dia- z. B. eher als Männern psychische ran ich Freude im Leben habe, was gnostiziert und behandelt. Das ist Beeinträchtigungen zugeschrie- ich als Lebensquellen und Tank- auch das Fazit des deutschen Män- ben und es werden generell mehr stellen betrachte und auch nutze. Psychopharmaka an Frauen ver- Dazu zählen sicher auch die Be- schrieben als an Männer. Unter- gegnung mit der eigenen Spiritu- „Mir fehlt nichts" suchungen haben gezeigt, dass alität sowie der Kontakt, der Aus- Männern wird nachgesagt, sie hät- Gespräche mit Medizinern dann tausch mit anderen Männern. Also ten es auch sonst extrem schwer, am längsten sind, wenn Ärztinnen ja, Gesundheit hat auch mit Mut zuzugeben, dass sie krank sind mit Frauen reden, und am kür- zu tun, Belastendes anzusehen oder psychische Probleme haben. zesten bei Ärzten mit Männern. und anzusprechen, gemeinsam Stress am Arbeitsplatz oder im Be- „Männersprache" wird dabei nach Lösungen zu suchen und sie ziehungsleben? Darüber spricht teils mit einer Ausdrucksweise gemeinsam umzusetzen. Mann doch nicht! Mann hat keine verwechselt, die nur so von tech- Christian F. Freisleben-Teutscher. Der Autor
Probleme, ist „wie ein Baum" und nischen Begriffen und Fachwör- ist Berater, Referent und Journalist in Linz. selbst wenn, kann er sie problem- tern wimmelt. Zudem werden los ohne jede Unterstützung von Männer oft nur defizit-orientiert außen in den Griff bekommen. Dieses Klischeebild spiegelt sich auch in konkreten Zahlen wider: Die Veränderung Wesentlich weniger Männer als in die Hand nehmen Frauen nehmen Vorsorgeuntersu- Die Erfahrungen von Männer- chungen in Anspruch. Gynäkolo- runden und Seminaren zeigen: gen haben höheren Zuspruch als Bekommen Männer die Gele- Sorry, das waren die Hormone!
Urologen. Überlegt wurde deshalb genheit, sind sie sehr wohl dazu Orell Füssli 2013 u. a., Frauen könnten ihre Leben- fähig – und es ist ihnen auch ein 224 Seiten, 15,40 Euro spartner zur gynäkologischen Bedürfnis –, über ihre Gesund- ISBN 978-3-280-05498-7 Untersuchung mitnehmen, damit heit, den Lebensstil, Probleme Ein amüsantes Buch mit vielen Männer wenigstens auf diesem am Arbeitsplatz oder zu Hause leicht selbst umsetzbaren Schritten Weg zu einem ärztlichen Kontakt zu sprechen. Und sie haben auch zum bewussteren Lebensstil! Interesse daran, Verhaltensweisen Die Wahrnehmung des Ge- zu überdenken, zu verändern und schlechts – oft traditionelle Bilder sich weiterzuentwickeln. Vom Bauchnabel abwärts
und Erwartungen, die damit ver- Was heißt das nun für den Mann, knüpft sind – hat Auswirkungen der diese Zeilen gerade liest? 197 Seiten, 24,70 Euro auf die Art und Weise, wie sich Rechnen Sie gerade nach, wie alt ISBN 978-3-7776-1460-1 Ärztinnen und Ärzte, Pflegeper- ihre Lebensgefährtin ist? Oder ist Ein Urologe gibt Gesundheits- sonal, Therapeutinnen und Thera- Gesundheit überhaupt für Sie ein tipps für Männer.
ypeuten verhalten. Frauen werden Thema? Zweifelsohne wird über Ausgabe 1 Februar 2014 24
Empfehlungen für kleinen Schritte
Bewegung. „Laufen gehen" muss
nicht sofort zwei Stunden am
Tag bedeuten und natürlich nur mit dem neuesten Outfit und High-Tech-Schuhen. Ein guter Einstieg ist oft „walken", also schnelles Gehen mit zwei Stöcken. Gleichzeitig eine einschneidende Diät zu machen, ist höchstwahr-scheinlich keine gute Idee. Gewicht. Eine Periode wie die
Fastenzeit ist ein gutes „Fenster",
das überschaubar ist und die
Chance bietet, darauf zu achten:
Was ist eigentlich im Kühlschrank
zu finden? Was wird zwischen-
durch gegessen? Was tut mir
gut? Informationen zum Thema
gibt es wahrlich genug, und es
darf und soll auch verschiedenes
ausprobiert werden.
Vorsorge. Vielleicht – sehr
wahrscheinlich sogar – ist es
sinnvoll, den Besuch beim Arzt
oder der Ärztin nicht so lange
aufzuschieben, bis es gar nicht
mehr anders geht. Und sich vor-
her zu überlegen: Was sind meine
wichtigsten Anliegen? Wo ist mir
mein gesundheitliches Problem
das erste Mal aufgefallen, bei
welchen Gelegenheiten spüre ich
es am deutlichsten. Und natürlich
gilt: Wer etwas nicht versteht,
nachfragen! Gute „Zwischenstati-
onen" können ebenso Vorsorge-
untersuchungen sein.
Beruf. Sie können im eigenen
Betrieb anregen, ein Projekt zur
betrieblichen Gesundheitsför-
derung umzusetzen. Das sollte
übrigens mehr sein als eine
Auflistung von „Was eh jeder über Gesundheit schon weiß" und einige Entspannungs-übungen. Es gibt viele Best-Practice-Modelle, die deutlich die Potenziale solcher Programme Ausgabe 1 Februar 2014 25
Warum geht bei der gerechten Auf- teilung von Macht, Ressourcen und Entlastung zwischen den Geschlechtern nichts weiter? Wir haben eine Lohn-schere, die sich immer mehr öffnet. Wir haben zu wenige Frauen in Führungs- Vorsorge. Männer werden wegen ihrer fünf Jahre
positionen. Es gehen zu wenige Männer kürzeren Lebenserwartung oft als „Gesundheitsmuffel" in Karenz. Die häusliche Pflege ist abqualifiziert. Sie leben risikoreicher, haben mehr hauptsächlich Frauendomäne. Männer tödliche Autounfälle, sie gehen weniger zum Arzt als sterben durchschnittlich fünf Jahre Frauen und nehmen weniger Beratungsangebote wahr. früher als Frauen … Über die Bedingungen dieses Befunds referierte der Die EU-weit durchgeführte Studie Stuttgarter Medizinhistoriker Martin Dinges.
„The Role of Men in Gender Equa-lities" (Die Rolle von Männern in Gleichstellungsprozessen) geht dem Das sei kein individuelles Fehlver- Schwangerschaft, Brustkrebs- nach. Ergebnis: Es gibt in Europa ein halten, meinte Dinges bei seinen bzw. Mutter-Kind-Pass-Untersu- signifikantes Nord-Süd-Gefälle bei der Vorträgen auf Einladung der KMB chungen erziehen Frauen eher Gleichberechtigung. In den skandi- in Salzburg, Linz und St. Pölten. dazu, ärztliche Hilfe in Anspruch navischen Ländern sind viele Frauen So erwarte die Gesellschaft, dass zu nehmen. Burschen und Män- in Führungspositionenm, und sie Männer die Familienernährer sind ner werden in Bezug auf Vorsor- verdienen auch annähernd gleich viel und die härtesten Jobs machen. geuntersuchungen (Prostata, Ho- wie Männer. Es gibt Teilzeitarbeit bei Männer sollen viel verdienen, aber denkrebs .) wenig bis gar nicht beiden Geschlechtern; Männer über- gleichzeitig nicht ständig bei der angesprochen. Sie können diese nehmen dort mehr Pflegeaufgaben als Arbeit sein: Hier eine Balance zu Angebote durch eingeschränkte finden, sei äußerst schwierig. Män- Öffnungszeiten der Arztpraxen ner und Frauen etwa haben un- auch schwerer nutzen.
Bildung bricht traditionelle terschiedliche Essgewohnheiten. Männer wollen dafür weniger Zeit Abschied vom „Arbeitstier" Die Studie sieht einen Hauptfaktor bei aufwenden, aber durch die längere Viele Männer – übrigens nicht nur der guten Bildung und auch bei den Berufstätigkeit können sie es auch die Väter – möchten mehr Distanz politischen Rahmenbedingungen. Bei nicht so ausgiebig wahrnehmen.
gegenüber der Tretmühle Arbeit Bildung ist vor allem die Bildung der Die Ergebnisse der Gesundheits- und mehr Work-Life-Balance. Frauen gemeint, die Gleichberechtigung berichte machen klar, dass die Aber sie kommen damit in eine einfordern. Die derzeit aktive Generati- Lebenserwartung von der sozi- Klemme. Denn der Arbeitsdruck on kann sich darauf einstellen, dass sie alen Schicht abhängig ist. So sei wächst. „Von Berufstätigen wird nicht nur ihre Kinder pflegen muss, son- der Unterschied zwischen Aka- mehr erwartet als früher, mehr dern vermehrt auch ihre Eltern, wenn demikerinnen und Akademikern Zeit, mehr Mobilität", erklärt Din- sie gebrechlich werden. Das können bedeutend geringer als von Absol- ges. Das Hauptverdienermodell nicht die Frauen allein übernehmen. ventinnen und Absolventen einer sei für Männer sehr gesundheits- Es spitzt sich auf drei Fragen zu: Sind Lehre. Das Bildungsniveau spiegelt Frauen bereit, „ihre" Domäne der sich im Risikoverhalten wider, etwa Pflege und Kinderbetreuung abzugeben beim Rauchen.
und dafür mehr Verantwortung beim Verdienen des Haushaltseinkommens Gesundheitsvorsorge zu übernehmen? Sind Männer bereit, häusliche Pflegearbeit zu übernehmen „Bis ins fünfzigste Lebensjahr und dafür das Geld-verdienen-Müssen sehen Männer keinen Anlass aufzuteilen? Und, Gretchenfrage: Spielt für einen Arztbesuch", so die die Wirtschaft dabei mit? pointierte These von Professor Dinges. Der Arzt werde oft als „Reparatur-Betrieb" gesehen. Ge- sundheitsvorsorge-Appelle seien Tel. 0662/80 47-7552 hauptsächlich an Mädchen und Marin Dinges plädiert für eine 75 %-Berufstä- Frauen gerichtet. Menstruation, tigkeit für jede Person in einer Partnerschaft.
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Iris Straßer.
Seit zwei Monaten stehe ich der Ka- tholischen Aktion in Kärnten als neue Präsidentin vor. Der Antritt in ein neues Amt verschafft so manche inte- ressante Begegnung und konfrontiert mit interessanten Fragen. Von zweien schädlich, doch es werde bis heute festgelegt und hätten mehr Zeit für möchte ich kurz berichten.
von der Politik gefördert. Um auf Familie und Freunde. Die Kinder Zunächst eine Begegnung mit drei gesellschaftlicher Ebene einen erleben Eltern, die in gleicher Wei- Repräsentanten der Katholischen Abschied vom „Arbeitstier" Mann se zum Familieneinkommen bei- Kirche Kärnten noch vor der Wahl möglich zu machen, plädiert Din- tragen. Ein ausgeglichenes Leben und die dort an mich gestellte Frage, ges für eine gerechtere Arbeitstei- wirkt gesundheitsfördernd – somit was meine ersten Schritte im Amt lung von jeweils 75 Prozent für sind auch das Gesundheits system sein werden. Meine Antwort war, ich beide Geschlechter. Die Vorteile: und die Krankenkassen entlastet. werde erst zuhören, ein Gespür für Frauen hätten bessere Chancen die Organisation entwickeln, dann am Arbeitsmarkt und eine bes- Michael Scholz. KBW Salzburg
bewerten und dann handeln. Darauf sere Rentenabsicherung. Männer Webtipp: Vortrag in Linz als Video
erwidert ein Herr in der Runde: „Ein wären nicht nur auf die Arbeit Gespür entwickeln, typisch Frau!" Darauf ein anderer: „Ich versteh das, ich brauche mein Gespür für meine Aufgabe auch. Das ist ja ganz wichtig." Rollenmuster sind nicht mehr notwendigDie zweite Sequenz, eine Einladung im ORF Kärnten in der Sendung „ Kaffee und Kuchen". Ich bin beruf-lich als Leiterin des südösterreichi-schen „Verantwortung zeigen!"-Netz-werks mit vielen Führungskräften im teils engen und persönlichen Kontakt, die verantwortungsbewusst wirt-schaften und sich für gesellschaft-liche Sensibilität einsetzen und enga- Kneipp Traditionshaus Aspach
gieren. Die Frage der Redakteurin an Der Rastplatz für ein
mich dazu: „Sich in diesem Netzwerk zu engagieren, machen das eher gelingendes Männerleben
Frauen? Und machen Sie das, weil Sie eine Frau sind?" Meine Antwort war 07.03. - 09.03.2014 / Begleitung: Cornelia Schenk klar: „Nein, die Eigenschaft zur ge-sellschaftlichen Sensibilität, das An- Regenerationswoche - Wie Männer ihr Leben meistern
liegen verantwortlichen Führens und 30.03. - 05.04.2014 / Begleitung: Martin Auer Wirtschaftens sind keine weiblichen, Mann sein. Mann werden.
es sind menschliche Fähigkeiten. Die 16.05. - 18.05.2014 / Begleitung: Martin Auer haben viele Männer auch und viele Frauen nicht." Resilienztraining - Trotz Gegenwind gesund bleiben
Die Fähigkeit, jenseits des Funktio- 27.06. - 29.06.2014 / Begleitung: Cornelia Schenk nierens und Messens ein Gefühl für Paarberatung oder: Wenn es ein paar Probleme gibt
sich als Mensch, für eigene Situa- 12.09. - 14.09.2014 / Begleitung: Cornelia Schenk tion und Zukunft zu entwickeln, ist Martin Auer (Lebens- und Sozialberater) sowie Cornelia Schenk (Logotherapie und gleichermaßen Aufgabe für jeden Existenzanalyse) können auch für Einzelgespräche gebucht werden. von uns, jeder an seiner Stelle. Sich hinter Rollenmustern zu verstecken, T: 07755/7051 - info@marienschwestern.at - www.kneippen.at
ist nicht mehr notwendig.
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Bist du noch katholisch?
Deutschlandsberg. Ihre Diözesankonferenz hielt die KMB Steiermark am
9. No vember auf der Burg Deutschlandsberg ab. Auf dem ehemaligen Besitz
der Salzburger Erzbischöfe stellte sich Diözesanobmann Ernest Theußl, der sein
10-jähriges Jubiläum als Vorsitzender beging, der Frage, was es denn bedeute,
wenn wir heute bekennen, katholisch zu sein. Als die ersten Christen und
Christinnen die Grenzen der jüdischen Religion überschritten und sich dessen
bewusst wurden, dass Jesus Christus für alle Menschen gestorben ist, in diesem
Moment sind sie „katholisch" geworden: Da wurde aus einer jüdischen Sekte eine
allumfassende Kirche. Zu Beginn gab es eine Schweigeminute zur Erinnerung an
die NS-Pogrome vor genau 75 Jahren. Die Männer aus Heiligenkreuz am Waasen
hatten eine Schuhputzaktion durchgeführt und überbrachten den Erlös von
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Einladung zur Tagung
Referentinnen und Referenten:
Prof. Dr. Rotraud Perner (A), Psychoanalytikerin und Juristin
Fakten helfen weiter
Univ.-Prof. Dr. Cornelia Helfferich (D), Leiterin der Studie „frauen leben –
Familienplanung im Lebenslauf" Wie wir mehr erfahren über
Dipl. Math. Evelyn Laue (D), Leiterin des Referats „Schwangerschafts-
abbruchs-Statistik" im Statistischen Bundesamt, Bonn • OA Dr. Karl Forstner (A), Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal (A), Experte für Arbeits- und Sozialrecht
27. März 2014, 10–16 Uhr
Info und Anmeldung: aktion leben österreich,
y1010 Wien, Löwelstraße 14–16
Diefenbachgasse 5/5, 1150 Wien, Tel. 01/512 52 21 E-Mail: info@aktionleben.at, www.aktionleben.at Ausgabe 1 Februar 2014 28
19.12.2013 11:15:07 Diözese St. Pölten
Günther Jäger
„Wir möchten die
Göttweig. Die Besinnungstage der KMB Anfang Dezember im Bildungs haus
St. Altmann standen ganz im Zeichen der Vorfreude auf das Weihnachtsfest.
Lebensfreude in den
P. Benno Maier und P. Christian Gimbel gaben Impulse zum Thema „Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr, schon ist nahe der Herr". Die Möglich- Günther Jäger
keit zur Teilnahme an Laudes, Mittagsgebet und Vesper gemeinsam mit den In Salzburg wird am 17. März assistent, Salzburg Mönchen war eine Bereicherung für die Teilnehmer. zum ersten Mal eine Parade zum St. Patrick's Day stattfinden. Was machst du zum St. Patrick's Day? Günther Jäger: Am 17. März veran-
stalten wir eine Parade zu Ehren des
irischen Heiligen Patrick. Wir ziehen
grün bekleidet mit irischer Musik
durch die Straßen von Salzburg,
feiern in der Kollegienkirche eine An-
dacht mit Tänzen und Segensgebeten
und ziehen dann weiter in ein Irish
Pub. Dort klingt die Feier lustvoll aus.
Diözese St. Pölten
In Balance bleiben
Warum machst du das? Haidershofen. Die KMB-Jahresversammlung hatte das Thema „Vereinbar-
Günther Jäger: Wir möchten
keit von Familie, Beruf und ehrenamtlichem Engagement". Pastoralassis tent mit dieser Veranstaltung die Erwin Burghofer zeigte dabei das Spannungsfeld auf, in dem sich Männer be- Lebensfreude in den Mittelpunkt wegen. Es sei wichtig, die Balance zwischen seinem Ego und der Familie, dem stellen. Das Glaubenszeichen war für Beruf und sonstigen Engagements nicht zu verlieren. In einer Gemeinschaft den heiligen Patrick das Kleeblatt. Er wie der KMB könnten Männer Kraft und Energie finden, so Burghofer. erklärte die Lehre der Dreifaltigkeit anhand des dreiblättrigen Kleeblatts. Mit diesem Glückssymbol – dem Shamrock – konnte er die Menschen in Irland zum christlichen Glauben führen. Wir möchten auf diese Weise junge Leute ansprechen, die gerne abends auf Lokaltour unterwegs sind, und sie auf fröhliche und un-beschwerte Art und Weise mit dem Glauben in Berührung bringen. Was bringt das für die Kirche? Günther Jäger: Kirche muss sich zu
den Menschen hin aufmachen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit Dornbirn. Am Nationalfeiertag fand wieder „Der Weg des Friedens" in der
dem Angebot vor allem auch junge Pfarre Bruder Klaus statt. Wir beteten für den Frieden in Syrien und hörten Männer und Studierende ansprechen dazu Texte von KMB-Sekretär Roland Sommerauer. In der Kirche hielt unser können. Wir wollen als Kirche dort geistlicher Assistent Pfr. Reinhard Himmer den Gottesdienst. Pfr. Gerold präsent sein, wo das Leben pulsiert.
Reichart brachte in seiner Predigt zum Ausdruck, dass Gerechtigkeit die Grundlage jeden Friedens ist. Die Kollekte wurde an die Caritas für die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien weitergeleitet. Ausgabe 1 Februar 2014 29
Fr., 4. bis So., 6. April Freistadt, Selbstversorgerhaus Steinöcker Damit aus Burschen Männer werden
Fr., 4. April bis So., 6. April Väter und Burschen von 14 bis 17 Jahren Do., 6. März, 19 Uhr Besinnungstage für Männer
Do., 29. Mai bis So., 1. Juni Hard, Pfarrkirche St. Sebastian „Darum lernt, was es heißt: Barmherzig- Weyer, Selbstversorgerhaus Großloiben Ascherdonnerstag für Männer
keit will ich, nicht Opfer" (Mt 9,13) Papa und ich: Raus aus dem Alltag
Väter und Kinder von 6 bis 13 Jahren
Di., 18. März, 20 Uhr Leitung: DI Mag. Johannes Wohlmacher, Götzis, Bildungshaus St. Arbogast/Kapelle Forstmeister und Pfarrer in St. Johann Fr., 30. Mai bis So., 1. Juni Kursbeitrag, Verpflegung und Aufenthalt Geboltskirchen, Bio-Erlebnishof Lucka im DZ: 162 Euro, EZ: 170 Euro, Papa und ich: Im Hochseilgarten
An jedem 1. Montag im Monat, 20 Uhr KMB-Mitglieder: 157/165 Euro Väter und Kinder von 11 bis 15 Jahren Dornbirn, Kolpinghaus In Kooperation mit dem Stift Schlägl Sa., 14. bis So., 15. Juni Prambachkirchen, Bildungshaus Papa und ich: Gemeinsam unterwegs
So., 13. bis Sa., 19. Juli Väter und Kinder von 6 bis 13 Jahren So., 23. März, 8.30 Uhr Stubaier Alpen, Franz-Senn-Hütte Fernitz – Dekanat Graz-Land Fr., 11. bis So., 13. Juli Uttendorf, Selbstversorgerhaus Haiderhof www.franzsennhuette.at 8.30 Uhr: Festgottesdienst Papa und ich: Rein in die Ferien
Anmeldung bereits möglich 9.30 Uhr: Veranstaltungszentrum Väter und Kinder von 6 bis 13 Jahren Wohlstand den einen –
Fr., 17. bis So., 19. Oktober Raubbau den anderen
Unser Konsumverhalten als globales Papa und ich: Den Herbst erobern
Problem, Referent: Dr. Ernst Sittinger Fr., 14. März, 19 Uhr: offener Vortrag Väter und Kinder von 6 bis 13 Jahren So., 13. April, 15 Uhr Sa., 15. März, 9 bis 17 Uhr: Fr., 28. bis So., 30. November Groß St. Florian, Dekanat Deutschlandsberg Seminar für Männer Politischer Kreuzweg
Salzburg, Bildungshaus St. Virgil Papa und ich: Rein in den Advent
Worauf dürfen wir hoffen? Männertag 2014
Frei und geborgen: Spirituelle
Väter und Kinder von 6 bis 13 Jahren So., 30. März, 8 Uhr Entwicklungen und Erfahrungen Anmeldung
Gnas – Dekanat Feldbach Referent: Dr. Wilhelm Achleitner, spätestens vier Wochen vor dem Termin Einkehrtag
Direktor des BH Puchberg bei Wels Sonntag – Tag der Hoffnung Referent: Mag. Ernest Theußl Mo., 17. März, 18 Uhr Salzburg, Ursulinenplatz Aschermittwoch, 5. März, 9 bis 16 Uhr Parade zum St. Patrick's Day
Stift Zwettl, Bildungshaus Mit spiritueller Einkehr Waldviertler Bauerntag
Fr., 4. bis So., 6. April Sabbat und Sonntag. Ruhetage zur Ehre Gottes. Fr., 21. März, 10 Uhr Lofer, Maria Kirchental Was Bibel und kirchliche Lehre dazu sagen. bis Sa., 22. März mittags Tage der Stille für Männer
Referent: Prof. Dr. Markus Himmelbauer Zams, Klösterle Kronburg „Und dann ganz anders" Ohne Sonntag eine Woche ohne Ende
Besinnungstage für Männer
Referent: Pfr. Andreas M. Jakober, Die gesellschaftliche Bedeutung des Sonntags Spüren, woher der Wind weht Geistlicher Assistent der KMB Referent: Karl Ebner mit Pfr. Mag. Herbert Traxl Anmeldung: Tel. 05442/633 45 Mi., 14. Mai, 19 Uhr Sa., 8. März, 9 bis 17 Uhr Salzburg, Große Universitätsaula Stift Seitenstetten Vortrag von Bischof Erwin Kräutler
Einkehrtag
Das aramäische Vaterunser
Mo., 1. bis So., 7. September Referent: Rupert Federsel So., 9. Februar, 9 bis 17 Uhr nach Reims/Champagne Sa., 15. März, 9 bis 16 Uhr Wels, Bildungshaus Schloss Puchberg Stift Seitenstetten Puchberger Bauerntag
Mostviertler Bauerntag
Ein Sonntag für Menschen Diözese St. Pölten
Gleiche Referate wie beim Waldviertler aus dem ländlichen Raum. Bauerntag (siehe diese Spalte oben) Sa., 15. Februar, 9 bis 16 Uhr Info: www. schlosspuchberg.at St. Pölten, Bildungshaus St. Hippolyt Fr., 28. März, 17 Uhr, bis So., 30. März Diözesaner Männertag
Ferienhaus Brunnbach 8.30 Uhr: Festgottesdienst Mannbild.ung – Wegmarken und Denkan- Do., 20. März, 18.30 bis 21 Uhr Männer unter sich. Mit Praxistipps für stöße für ein mannhaftes Unterwegssein Referent: Prof. Dr. Kurt Finger 25. Weinviertelakademie
Trainer: Johannes Ebner, Tobias Workshops: Geschlechtergerechte Friedensprojekt Europa Renoldner, Reinhard Kaspar Sprache, Netzwerk der Solidarität, Was Referent: Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner (Graz) Kursbeitrag: 50 Euro Christinnen und Christen über den Islam Anmeldung bis 10. März: Tel. 02263/66 27 In Kooperation mit der Kath. Jugend.
yAusgabe 1 Februar 2014 30
Wir sind für Sie da
Wien. Helmut Wieser (Pfarre Retz)
Mag. Christian Reichart wurde bei der KMB-Diözesankonferenz Spiegelgasse 3/II am Samstag, 14. Dezember, in Wien als KMB-Diözesanobmann bestätigt. Tel. 01/515 52-3666 Die Delegierten wählten ihn ein- stimmig für eine zweite vierjährige Amtsperiode. Wieser dankte für das Mag. Johann Artner Vertrauen, ersuchte auch weiterhin, St.-Rochus-Straße 21 so freundschaftlich und produktiv Tel. 02682/777-281 zusammenzuarbeiten, und skizzierte das Arbeitsprogramm der nächsten Kanonikus Willibald Steiner, geistlicher Periode: Die KMB werde sich – ganz Bericht" des Europäischen Parla- Assistent der KMB im Sinn der Aufforderung von Papst ments. Die österreichischen EU-Ab- Wien, gratuliert dem Mag. Roland Sommerauer wiedergewählten Franziskus „Ein guter Katholik mischt geordneten wurden in persönlichen Bahnhofstraße 13 Schreiben aufgefordert, diesen sich in die Politik ein" – verstärkt zu Helmut Wieser.
Tel. 05522/34 85-204 Fragen der Gesellschaft, der Politik, Bericht abzulehnen. Der Bericht fordert die Abtreibung als Grund- der Wirtschaft und besonders auch der Kirche zu Wort melden und konkrete recht und verpflichtende Sexualer- ziehung an den Schulen. Auch soll die Vorschläge einbringen. Diese Impulse Gewissensfreiheit von medizinischem basieren auf profunder Vorarbeit in den KMB-Gruppen und Arbeitskreisen.
Personal, nicht an Abtreibungen teil- nehmen zu müssen, eingeschränkt Tel. 0316/80 41-326 werden. Der Bericht wurde unterdes- Konkret geschah dies bereits in einer sen vom Parlament an den Ausschuss klaren Stellungnahme zum „Estrela- Mag. Wolfgang Unterlercher Tarviser Straße 30 Tel. 0463/58 77-2440 Gotteslob in
die Familien
St. Georgen/Gusen. Die KMB hat
50 Exemplare des „Gotteslob" an den Obmann Adolf Stüger Kirchentüren verkauft. „Für uns ist es wichtig, dass das neue Gebet- und Tel. 0664/194 55 62 Gesangbuch auch unser Beten und Fei- ern in den Familien befruchtet", sagt KMB-Obmann Reinhard Kaspar. „Und vielleicht wagt es ein Mann daheim im Mag. Wolfgang Schönleitner Mag. Reinhard Kaspar stillen Kämmerlein, auch selbst einmal Kapuzinerstraße 84 lautstark zur Ehre Gottes zu singen." Tel. 0732/76 10-3461 MMag. Peter Ebner Tel. 0662/80 47-7556 Diözese St. Pölten
Tel. 02742/324-3376 Männermagazin y, 11. Jg., Heft 64, 1/2014 – Inhaber (100 %): r.k. Diözese St. Pölten, Domplatz 1, 3100 St. Pölten – Herausgeberin
und Verlegerin: Kath. Männerbewegung St. Pölten – Obmann: DI Dr. Leopold Wimmer – Anschrift (Redaktions adresse): KMB,
Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/76 10-3461 – Redaktion: Reinhard Kaspar (Vorsitzender der Redaktionskonferenz), Markus
Himmelbauer (Chefredakteur), Luis Cordero (SEI SO FREI) – Kontakt: ypsilon@kmb.or.at oder über die KMB-Diözesanbüros – Grafik:
Obmann Helmut Wieser Egger & Lerch, 1030 Wien, www.egger-lerch.at/ Martina Gangl-Wallisch – Produktion: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten,
Stephansplatz 6/5 www.np-druck.at – Erscheinungsweise: Das Männermagazin ypsilon erscheint sechs Mal jährlich (Diözese St. Pölten neun Mal).
Einzelpreis 2,50 Euro – Abo: 12 Euro/Jahr Tel. 0664/621 69 82 Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: www.kmb.or.at/offenlegung
Ausgabe 1 Februar 2014 31
Rücksendeadresse: KMBÖ, Spiegelgasse 3/II, 1010 Wien Wohin wollen wir uns bewegen?
Urlaub mit Inhalt. Die 28. Sommerakademie
der Katholischen Männerbewegung fi ndet vom 9. bis 12. Juli in Melk statt. Im Zentrum stehen diesmal Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft.
„Und sie beweg(t)en sich doch – wohin?" fragt das Tagungsthema. Das Eröff nungsreferat „Zukunfts- (t)räume – Trends in Gesel schaft und Kirche" hält Themen und
der Salzburger Th eologe Hans-Joachim Sander. In den folgenden Tagen werden Th emen der aktiven Mitge- staltung und Mitverantwortung in Kirche und Gesell- schaft besprochen. Wir sind nicht getrieben von diesen Entwicklungen, wir können sie aktiv mitgestalten. „Die Trends in Gesellschaft und Kirche Vorträge im Stadtsaal dauern knappe 45 Minuten. So Univ.-Prof. Dr. Hans-Joachim Sander bleibt genügend Zeit für eine ausführliche Diskussion im Plenum", erklärt KMB-Obmann Leopold Wimmer: Mitgestaltung und „Schließlich sind der direkte Austausch zwischen Refe- Mitverantwortung inKirche und Gesellschaft renten und Teilnehmern und Teilnehmerinnen unser Theres Friewald-Hofbauer wesentliches Anliegen!" Freiheit und Solidarität in Österreich Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold Dr. Markus Schlagnitweit (KSÖ) Das tägliche Morgen- und Abendlob, Eucharistiefei- Mag. Stefan Schmuckenschlager ern und Workshops mit den Schwerpunkten „Kultur", „Männerpolitik" und „Glauben" und die persönlichen Begegnungen in freundschaftlicher Runde gehören • für KMB-Mitglieder 70 Euro traditionell zu den Elementen der Sommerakademie. • Tagesbeitrag: 20 Euro Sie machen diese Tage zu einem Gewinn für Geist und Mitbestimmung und Veränderung Seele. Du bist herzlich dazu eingeladen! Dr. Matthias Beck (KAÖ) Dr. Sebastian Schneider Anmeldung im Diözesanbüro (Kontakt Seite 31). Magazin für Männer – Katholische Männerbewegung Glauben: Notker Wolf

Wie (wir) die Welt retten atholische Männerbe Magazin für Männer – K Thema Entwicklung
Magazin für Männer – K Stationen unserer Partnerschaft atholische Männerbe ypsilon greift auf, was Männer bewegt: Th emen
Der weite Horizont
aus Politik und Gesellschaft, Gedanken zu thinkstockphotos. w Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi Partnerschaft, Familie und Freundschaft und Ausgabe 5 Oktober 2013
Asyl. Humanität im
Sommerakademie. Vom
Männchen zum Mann und die Paneuropa-Bewegung der Blick auf den bleibenden Sinn des Lebens. Radikal leben.
Ausgabe 6 Dez
Franz von Assisi 17
Christ sein.
ember 2013
Teilen Sie mit Ihrem Freund, was Ihnen wichtig t) in den Himmel Nicaragua. Das Glück, in die
che. Mehr
Schule gehen zu können und Geheimnis abu Konsum und K Jenseits von z 12–15
ist: Schenken Sie ihm ein y-Abo.
Ausgabe 6 Dezember 2013 Solidarität mit Bischof Kräutler y 2/2014 erscheint Anfang April

Source: http://kmb.dsp.at/sites/www.dsp.at/files/u192/pdf/ypsilon_1_14.pdf

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- Copyright - Il Pensiero Scientifico Editore downloaded by IP 193.205.69.252 Wed, 26 Feb 2014, 17:07:22 LINEE GUIDA Linee guida per la valutazione preoperatoriadel rischio cardiaco e la gestione perioperatoriadel paziente cardiopatico nella chirurgianon cardiaca Task Force per la Valutazione Preoperatoria del Rischio Cardiaco ela Gestione Perioperatoria del Paziente Cardiopatico nella ChirurgiaNon Cardiaca della Società Europea di Cardiologia (ESC) e approvatedalla Società Europea di Anestesiologia (ESA)

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